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Bezirksheimatpfleger Klaus Reder - im Einsatz für Unterfranken

Jeder Bezirksheimatpfleger interpretiert seinen Beruf ein bisschen anders, setzt eigene Schwerpunkte. Was den unterfränkischen Bezirskheimatpfleger Klaus Reder unter anderem auszeichnet: Er setzt sich für die Schwachen ein.

Stand: 04.03.2014 | Archiv

Bezirksheimatpfleger Unterfranken Klaus Reder | Bild: BR

Mehr als klassische Heimatpflege

Natürlich kümmert sich Klaus Reder mit Begeisterung um die klassischen Themen der Heimatpflege, wie Museen, Brauchtums- und Denkmalpflege. In seiner Agenda hat aber auch die Erinnerungsarbeit an die jüdischen Gemeinden und die Roma- und Sintifamilien Unterfrankens Platz, oder die Kulturarbeit mit Menschen mit Handicap. Zum Beispiel im Theater Augenblick, einem integrativen Theaterprojekt in Würzburg.

"Heimat ist der Ort, wo sich alle wohlfühlen, wo alle ihre Talente ausprobieren dürfen, auf die Bühne bringen können."

Klaus Reder, Bezirksheimatpfleger von Unterfranken

Vielleicht hat das mit Klaus Reders eigener Geschichte zu tun. 1958 in Obereßfeld im Landkreis Rhön-Grabfeld geboren, wuchs er auf einem Bauernhof auf, den heute sein Bruder betreibt.

"Das Grabfeld ist eine recht interessante Region, auch im Konfessionellen. Es gibt hier lutherische Gemeinden, es gibt Katholische Gemeinden, es gibt auch eine mennonitische Gemeinde und es gab in der Vergangenheit sehr viele jüdische Gemeinden."

Klaus Reder, Bezirksheimatpfleger von Unterfranken

Klaus Reder auf dem jüdischen Friedhof Kleinbardorf

Schon als Kind besuchte Klaus Reder mit seinen Großeltern einen jüdischen Friedhof in der Nähe. Als er in Würzburg Volkskunde studierte, inventarisierte er für den Bezirk Unterfranken jüdische Denkmäler. So führte ihn sein Weg direkt in die Heimatpflege – und die Erinnerungsarbeit ist ihm bis heute wichtig. Als Zeichen gegen den Rassismus organisiert Klaus Reder seit dem Jahr 2000 einen Gedenkmarsch durch Würzburg, zusammen mit Jugendlichen und der israelitischen Kultusgemeinde. Veranstalter ist die christliche Laiengemeinschaft "Sant´Egidio", der der Bezirksheimatpfleger seit 1983 in führender Position angehört.

"Der Bezirksheimpfleger ist kein getrennter Mensch: Es gibt nur ein Herz - und natürlich ist es zeitlich total getrennt, aber bestimmte Impulse nimmt man auf. Z.B. wenn man über Inklusion spricht, die Erfahrung der Arbeit mit Behinderten im Theater Augenblick. Oder wenn ich über jüdisches Leben rede, dann ist da der junge Klaus Reder aus´m Grabfeld, der von seinen Großeltern davon erfuhr, damals als er noch nichts von Volkskunde und Bezirksheimatpflege wusste, immer präsent."

Klaus Reder, Bezirksheimatpfleger von Unterfranken

1999 trat Klaus Reder die Nachfolge von Reinhard Worschech als Bezirksheimatpfleger und Leiter der Kulturabteilung an. Seit 2007 ist er Honorarprofessor für Volkskunde an der Würzburger Universität. Er unterstützt Heimatforscher oder Trachtengruppen ebenso gerne, wie Rockbands oder Kleinkunstbühnen. Das Aschaffenburger Hofgartentheater von Urban Priol hat beispielsweise 2002 den ersten Denkmalpflegepreis des Bezirks erhalten hat.

"Wenn man die fränkischen Kabarettisten sieht und hört, dann gibt’s kaum einen, der so viel getan hat für die Akzeptanz der Mundart wie die Kleinkünstler. Deshalb gehört Kleinkunst voll zu unserem Förderprogramm."

Klaus Reder, Bezirksheimatpfleger von Unterfranken


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