BR Fernsehen - Wir in Bayern


25

Service Wirtshaustipp Huberwirt in Pleiskirchen

Ein Stern in der Provinz leuchtet umso heller. Es hat 400 Jahre gedauert, bis eben dieser Stern zu leuchten begann. Alexander Huber ist mittlerweile die 11. Generation im Huberwirt. Er hat es geschafft "Haute Cuisine" mit Dorfwirtshaus und Tradition zu verbinden. Das ist einzigartig in Bayern.

Stand: 24.07.2014 | Archiv

Wolfgang Schneider - der Wirtshaus-Experte | Bild: BR / Markus Konvalin

Das Besondere am "Huberwirt"

"Es gibt einen Stammtisch und am Nebentisch wird das Sterne-Menü gegessen, diese Kombination aus Dorfwirtshaus und einer Sterneküche habe ich so noch nie erlebt.

Dann natürlich: Großen Respekt vor der Vita des 35-jährigen Alexander Huber. Schon als kleiner Bub ist er im elterlichen Betrieb mit der Kochmütze herumgerannt, hat dann zunächst seiner Mutter beim Kochen über die Schulter geschaut, bevor er natürlich eine Kochlehre absolviert hat. ln den Folgejahren war er bei mehreren Sterneköchen beschäftigt, auch beim Zwei-Sterne-Mann Hans Haas im legendären "Tantris" in München. 2005 hat er dann den "Huberwirt" seiner Eltern übernommen und ist im letzten Jahr mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet worden.

Was mir auch noch gut gefällt, ist, dass die Preise nicht erhöht wurden, seitdem der Stern da ist und es im Prinzip so weitergeht wie immer. Die Speisekarte ist umfangreich - was ich ja normalerweise nicht so schätze. In diesem Fall ergibt das aber Sinn, denn beim "Huberwirt" isst man ja quasi zweigeteilt: Auf der Gourmetseite gibt es das "Genussmenü" und die "Genussmomente", auf der anderen Seite das "Wirtshausmenü" und die "Wirtshauskuchl". Und dann kann man alles noch in einem wahrhaft schönen Rahmen einnehmen. Stilvoll und geschmackvoll. Mir persönlich gefällt am besten die Gaststube von 1612. Aus diesem  Jahr stammen auch die  Deckenbalken. Neben dieser alten Gaststube gibt es noch zwei Stüberl, des Weiteren einen Saal und einen Heurigenkeller."

Die Geschichte des "Huberwirts"

"Die ist schon ganz was Besonderes. Im Jahre 1612 ist es losgegangen mit der Landwirtschaft und der Gastwirtschaft, damals noch im Nebenerwerb. Im Laufe der Jahrhunderte wurde viel gebaut am und im Anwesen. Die Landwirtschaft hat die Familie in den 50er-Jahren aufgegeben. Seit über 400 Jahren sind die Hubers nunmehr Wirte, Alexander jetzt in der 11. Generation, und das ist - denke ich - selbst im traditionsbewussten Bayern eine Seltenheit. Es ist übrigens das erste Mal, dass ein gelernter Koch jetzt der Chef ist. Die Eltern sind noch stark im Betrieb engagiert. Der Vater - ein gelernter Metzger - in seiner Wurstküche, die Mutter als Alleskönnerin an der Seite ihres Sohnes."

Küchenart

"Über die Künste eines Kochs, der einen Michelin-Stern führen darf, müssen wir nicht weiter diskutieren. Perfektes Handwerk, hervorragender Geschmack, Kreativität, Innovation, maximale Frische, erstklassige Produkte: Das alles wird in einem Stern gewürdigt. Was mir wieder mal ganz deutlich geworden ist: Es gibt unglaublich viele hervorragende Lebensmittel in Bayern. Etwa 90 Prozent der Produkte sind beim Huberwirt regional. Dafür gibt es von mir noch einen Extra-Stern. Meeresfische, Jakobsmuscheln, Hummer und Kaviar sind die Ausnahme.   

Schneiders Vorspeise

Alztaler Huchen

"Jeder Spitzenkoch hat ein sogenanntes "signature dish", sein Markenzeichen, das Gericht,  für das er steht. Und das ist beim Alexander Huber der Alztaler Huchen, ein heimischer Fisch, mit saurem Apfelpüree, Petersilienwurzelpüree und einer Holundermarinade. Dabei wird der Huchen bei 60 Grad ca. 10 Minuten in Olivenöl gegart. Der Apfel wird mit Zucker und Zitrone gebunden und dann püriert. Für das Petersilienwurzelpüree wird die Wurzel in Butter angeschwitzt und mit Weißwein abgelöscht, mit Geflügelfonds aufgekocht und dann püriert. Frische Petersilie bringt die wunderbare grüne Farbe. Die Holundermarinade bleibt das Geheimnis des Kochs.  Eine Vorspeise, vor der ich erst mal andächtig gesessen habe. Da traut man sich kaum anzufangen, so schön schaut das aus. Seit ich für "Wir in Bayern" unterwegs bin, habe ich noch nie so gut gegessen."

Schneiders Hauptspeise

Ente mit Ravioli, Erbsen und Spargel, braunen Pilzen und einer "Jus d'Andrea"

"Für die Ente mit Ravioli, Erbsen und Spargel, braunen Pilzen und einer "Jus d'Andrea" kann ich meine Lobeshymnen nahtlos fortsetzen. Diese Jus hat der Koch einer guten Freundin namens Andrea gewidmet. Und diese Soße (Enten-Jus, Orangensaft, roter Portwein, Tomaten)  allein war den Besuch des "Huberwirts" schon wert. Fast überflüssig zu erwähnen, dass das Fleisch, die Ravioli mit perfekter Konsistenz und gefüllt mit Entenkeule und das Gemüse mehr als perfekt waren. Da legst di einfach nieder."

Preise

"Gut, mit 20 Euro kommt man beim Huberwirt natürlich nicht hin. Die Vorspeise, der Alztaler Huchen, hat 15,50 Euro gekostet, die Ente 28,90 Euro. Ich empfehle das Wirtshausmenü: 3 Gänge ab 36,50 Euro. Und wenn Sie sich wirklich mal etwas ganz Besonderes leisten wollen: Das Genussmenü – je nach Anzahl der Gänge zwischen 50 und 90 Euro."

Anreise

Gasthof Huberwirt
Hofmark 3
84568 Pleiskirchen

Telefon: 08635 / 201
Telefax: 08635 / 863
E-Mail: info@huber-wirt.de
Internet: www.huber-wirt.de

Anfahrt
"Wir sind im Südosten Bayerns - Von München ca. 90 km, von Nürnberg etwa 220 km."

Öffnungszeiten
Montag ab 17.00 Uhr, Dienstag Ruhetag, Mittwoch bis Sonntag mittags und abends, Küchenzeiten mittags: 11.45 Uhr - 14.00 Uhr, abends von 17.45 - 21.30 Uhr, bis 22.30 Uhr im "Wirtshauskuchl"

Freizeittipp

"Ich empfehle einen Besuch in Altötting, 15 Kilometer von Pleiskirchen entfernt. Seit über 500 Jahren ist es der bedeutendste Marienwallfahrtsort Deutschlands – jährlich kommen rund 1,3 Millionen Besucher und Pilger. Ihr Ziel ist die "Schwarze Madonna" in der Gnadenkapelle, die inmitten des barocken Kapellplatzes liegt. Drei Päpste haben der Stadt schon ihre Aufwartung gemacht. Im Jahre 1782 Pius VI. und dann Johannes Paul II. und Benedikt XVI., der ja nur wenige Kilometer entfernt in Marktl am Inn geboren wurde."


25