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Recht Vorsicht: Abzocke bei Bestattungen

Das Sprichwort: "Umsonst ist nur der Tod – und der kostet das Leben" stimmt nicht ganz, denn Beerdigungen können sehr teuer werden, vor allem dann, wenn unseriöse Bestattungsunternehmen, die die emotionale Ausnahmesituation ausnützen und die Hinterbliebenen regelrecht abzocken. Tipps von Rechtsanwalt Markus Saller, wie Sie sich vor dieser Abzocke schützen können.

Stand: 12.04.2023

Särge in einem Bestattungsunternehmen | Bild: BR/stock.adobe.com/Photographee.eu

In Deutschland konkurrieren etwa 5500 Bestattungsunternehmen um die Beisetzung der Toten. Um möglichst viel Profit zu machen, greifen manche von ihnen zu unseriösen Tricks und nutzen die emotionale Situation aus, in der sich ihre Kunden nach dem Tod eines geliebten Menschen befinden.

Trick: "Phantasierechnungen"

Die Hinterbliebenen, die sich in Trauer befinden, denken häufig nicht daran, sich einen Kostenvoranschlag machen zu lassen oder überprüfen die aufgeführten Summen nicht.
Sie vergleichen auch in der Regel nicht die Preise verschiedener Bestattungsunternehmen, weil sie froh sind, dass sich jemand um die Beerdigung kümmert. So können unseriöse Bestatter ihre Preise nach Belieben festlegen und nicht nachvollziehbare Extrakosten verlangen.

Große Preiseunterschiede bei Bestattungsfirmen

Auch bei seriösen Bestattern gibt es enorme Preisunterschiede. Deshalb sollten Sie sich unbedingt von mehreren Anbietern schriftliche Kostenvoranschläge einholen und die Preise vergleichen. Die Preise variieren je nach Bestattungsunternehmen beispielsweise:
Überführung innerorts: etwa 100 bis 250 Euro
Ankleiden und Einbetten: etwa 50 bis 150 Euro
Formalitäten und Verwaltungskosten: etwa 75 bis 300 Euro

Trick: Teure Extras

Um den Umsatz zu steigern, versuchen unseriöse Unternehmen zudem, den Hinterbliebenen Extras aufzuschwatzen, die diese eigentlich gar nicht wollen (beispielsweise besondere Sargeinlagen oder teure Totenhemden). Dabei versuchen Sie, emotionalen Druck aufzubauen, nach dem Motto: "Das sollte Ihnen der Verstorbene schon wert sein."

Wichtig: Kein schlechtes Gewissen einreden lassen

Auch wenn es schwerfällt: Werden Sie sich darüber klar, was Sie wirklich wollen oder was der Verstorbene gewollt hätte. Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen, wenn Sie eine günstigere Variante auswählen. Sie können den Verstorbenen beispielsweise auch in seiner eigenen Kleidung beerdigen lassen. Das ist nicht nur günstiger, sondern auch persönlicher.

Trick: Bestattungsunternehmen wird ohne Absprache beauftragt

Um sich genügend Kunden zu sichern, wird von unseriösen Bestattungsunternehmen auch mit Schmiergeldern gearbeitet. Pflegepersonal in Altersheimen, Krankenschwestern und sogar Polizisten werden dafür bezahlt, einen bestimmten Bestatter zu beauftragen. Die Verstorbenen werden ohne Auftrag der Hinterbliebenen von diesem Unternehmen abtransportiert. Aus Bequemlichkeit oder aus Furcht vor Zusatzkosten (nochmaliger Transport) erteilen die Hinterbliebenen dann in der Regel diesem Bestatter den Auftrag. Das müssen Sie aber nicht. Vergleichen Sie die Preise verschiedener Anbieter und wählen Sie das Unternehmen aus, bei dem Sie den besten Eindruck haben. Das Bestattungsunternehmen, das den Leichnam abtransportiert hat, muss den Toten an das von Ihnen beauftragte Unternehmen herausgeben. Es darf nur die bis dahin tatsächlich erbrachten Leistungen für Transport und Aufbewahrung in Rechnung stellen. Die Preise dafür müssen ortsüblich sein.

Überführungsfristen

In Deutschland gibt es kein einheitliches Bestattungsgesetz, denn das Bestattungsrecht ist Ländersache. Deshalb gibt es unterschiedliche Fristen, wann ein Toter spätestens an einen Ort mit Kühlmöglichkeit überführt werden muss und die bewegen sich zwischen 24 und 48 Stunden. In der Bayerischen Bestattungsverordnung ist keine Angabe zur Frist gemacht.

Trick: Sargwahl

Einige Bestatter behaupten in ihren Beratungsgesprächen, dass günstige Sargmodelle nicht vorrätig seien, so dass Sie sich für ein teureres Modell entscheiden müssen. 
Eine weitere bewährte Strategie besteht darin, dass die Bestatter den Leichnam in einem sehr hochwertigen, teuren Sarg abholen, in der Hoffnung, dass die Angehörigen dieses Modell auswählen, weil sie sich davor scheuen, den Verstorbenen in einen billigeren Sarg umlegen zu lassen.
Betrügerische Bestattungsunternehmen gehen sogar so weit, für die Hinterbliebenen einen teuren Sarg aus hochwertigem Holz bestellen und bezahlen zu lassen, aber einen minderwertigen Sarg zu liefern, der dem teuren Modell ähnelt.

Trick: Sparangebote

Besonders vorsichtig sollten Sie bei sogenannten "Discount-Bestattern" sein, die Begräbnisse zu auffallend günstigen Komplettpreisen, beispielsweise schon für unter 1.000 Euro, anbieten. Was die Unternehmen dem Kunden nicht sagen, ist, dass zu diesem Preis oft noch Kosten dazukommen. Durch diesen Trick kann am Ende eine Summe herauskommen, die bedeutend höher als der beworbene Betrag ist. Teilweise ist der Endbetrag bei den "Discount-Bestattern" dann sogar höher als bei herkömmlichen Bestattern.

Tipps zur Vermeidung einer Abzocke bei Beerdigungen

  • Vergleichen Sie Angebote verschiedener Bestattungsunternehmen.
  • Achten Sie darauf, dass sich der Bestatter Zeit nimmt, verschiedene Angebote vorstellt und keinen Druck auf Sie ausübt (beispielsweise, dass Sie sofort den Vertrag unterzeichnen sollen).
  • Ein seriöser Bestatter stellt die anfallenden Kosten transparent und nachvollziehbar dar und händigt Ihnen einen detaillierten, schriftlichen Kostenvoranschlag aus, in dem alle Kosten aufgeführt sind.
  • Ein seriöser Bestatter versucht auch nicht, Ihnen ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn Sie sich beispielsweise für ein günstigeres Sargmodell entscheiden oder auf teure Sargausstattung verzichten.
  • Außerdem ist es immer sinnvoll, eine neutrale Person, die nicht direkt von dem Todesfall betroffen ist, zu den Beratungsgesprächen mitzunehmen. Diese kann einerseits dabei helfen, die Seriosität und die Angebote des Bestatters zu bewerten, andererseits kann sie im Nachhinein als Zeuge dienen, falls Absprachen nicht eingehalten wurden.
  • Von Bestattern mit Billigangeboten sollten Sie die Finger lassen.

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