BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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Die besondere Kunstform Visual Vernacular

Die Deutsche Gebärdensprache hat visuelle Anteile - das ist unbestritten. Doch es geht auch ohne Gebärdensprache, sondern rein visuell: Visual Vernacular (VV) ist eine besondere Kunstform, erschaffen von dem Amerikaner Bernard Bragg. Längst hat sich diese Kunstform über die ganze Welt ausgebreitet.

Von: Holger Ruppert

Stand: 08.12.2018

Bernard Bragg – kurz BB genannt - hat lange Theater gespielt und war ein bekannter Pantomime. Er gilt als Vater von Visual Vernacular.

Giuseppe Giuranna und Ace Mahbaz im Studio

Mittlerweile ist diese Kunstform weit verbreitet – tausende Darbietungen gibt es online zu sehen. Einer der beliebtesten Visual Vernacular-Künstler Europas ist Giuseppe Giuranna. Sehen statt Hören-Moderator Ace Mahbaz trifft ihn zum Gespräch.

Vom Kinderspiel zur Kunstform

Giuseppe Giuranna

Schon mit 4 Jahren spielt Giuseppe auf eine ganz eigene, kommunikative Art mit seinem Vater, ohne dabei Gebärdensprache zu nutzen. Doch erst Jahre später, als er 1991 als junger Mann auf Bernard Bragg trifft und einen Workshop bei ihm macht, bekommt dieses vergessene Spiel einen Namen - Visual Vernacular. Damals schaut er BB nur mit halbem Interesse zu. Doch der Samen ist gesetzt – und seine Leidenschaft wächst.

VV und die Moden der Zeit

VV Kuenstler Don Marco Kulathunga

Visual Vernacular ist für Gehörlose nicht wegzudenken. Es wirkt wie Musik für Gehörlose und ist bis heute nicht nur ein wichtiger Teil der Gehörlosenkultur  – es entwickelt sich auch kontinuierlich weiter und ist immer von den Moden der Zeit geprägt. Die aktuellen Formen von VV beeindrucken: Sie arbeiten mit Zeitlupe, es gibt Rückwärtsgebärden oder ständige Perspektivwechsel. Die Einflüsse kommen von Computerspielen, 3D-Animationen oder den aufwändig produzierten Kinofilmen.

Ein Versprechen

Bernard Bragg – auf der ganzen Welt bekannt – verstarb vor kurzem. Als Giuseppe Giuranna ihn zum letzten Mal trifft, bekommt er einen klaren Auftrag mit auf den Weg: Er dürfe Visual Vernacular niemals vergessen. Dieses Versprechen möchte er halten.

"Visual Vernacular darf niemals verschwinden. VV ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Kultur Gehörloser, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Es gehört ganz fest zu uns. All das, was wir visuell wahrnehmen, prägt unsere Gedanken. Nach meinem Tod und vielen anderen soll es VV immer weiter geben. So, wie eine Welt für Hörende ohne Musik undenkbar wäre. Sie brauchen die Musik. So ist für uns Visual Vernacular auch ein Genuss. Die Deutsche Gebärdensprache bedient sich bestimmter Gebärden und hat eine klare Grammatik, aber Visual Vernacular ist etwas ganz eigenes. Das soll niemals verschwinden."

Giuseppe Giuranna


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