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Geschichte der Deutschen Gebärdensprache (2/6) William C. Stokoe - Entdecker der Gebärdensprache

In der Corona-Krise hat sich erneut gezeigt, wie wichtig Gebärdensprache ist und dass Gebärdensprache noch längst nicht selbstverständlich ist. Wir haben in unserem Archiv einige Schätze aus den 1980er- und 90er-Jahren gefunden, spannende Beiträge zur Erforschung und Geschichte der Deutschen Gebärdensprache. Im zweiten Teil präsentieren wir William C. Stokoe.

Stand: 11.06.2020

Die Gebärdensprachforschung und damit die Geschichte der Gebärdensprachen ist noch relativ jung. Hier in Deutschland beispielsweise ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS) erst seit 2002 anerkannt. Als Entdecker der Gebärdensprache gilt der Amerikaner William C. Stokoe.

Stokoe war Linguist und Professor an der Gallaudet University in Washington mit dem Forschungsschwerpunkt Gebärdensprachen. Mit seinen Forschungsergebnissen, die er 1960 veröffentlichte, konnte er erstmals beweisen, dass ASL (American Sign Language) über eine eigenständige Struktur und Grammatik verfügt und Gebärdensprachen damit allgemein vollwertige Sprachen sind. Aus Amerika sind diese bedeutenden Erkenntnisse dann ab Anfang der 1980er Jahre auch nach Deutschland gelangt.

Stokoe ist im April 2000 mit 81 Jahren verstorben. Zu seinem 20. Todestag zeigen wir in der nächsten Woche nochmals den Film unseres langjährigen Kollegen Jürgen Stachlewitz, der William Stokoe in den USA getroffen hat.

"Die Revolution ist erst abgeschlossen, wenn jeder Lehrer, der gehörlose Kinder unterrichtet, deren Gebärden versteht."

William C. Stokoe

Das hat William Stokoe bereits 1998 gesagt. Und heute? Mehr als 20 Jahre später? Ist diese Aussage immer noch aktuell. Denn wenn wir uns die Situation an manchen Schulen anschauen, müssen wir für Deutschland feststellen: Die Revolution ist noch längst nicht beendet.


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