BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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Lorenz Putz Briefe aus der Vergangenheit

Lorenz Putz ist 83 Jahre alt. Geboren ist er in Neukinsberg im Sudetenland. An seine Kindheit hat er eine ganze Reihe Erinnerungen – aber nur zwei Fotos von sich als kleinen Jungen. Alle anderen sind verloren. Dachte er zumindest bislang ...

Stand: 06.11.2018

Lorenz Putz erinnert sich noch  gut an seine Kindheit – den Laden seiner Mutter, die Bonbons, die er dort heimlich stiebitzte, das Spiel mit seinen Freunden im Ort.

Auch seine Schulzeit  in der „Taubstummenanstalt“ in Leitmeritz, im heutigen Tschechien, ist ihm in guter Erinnerung. Die komplette Kriegszeit verbringt er dort im Heim, vom Krieg bekommt er nicht viel mit. Er weiß auch nicht, dass sein Vater ab 1943 im Konzentrationslager in Dachau ist. Das erfährt er erst viel später. Sein Vater erzählt wenig von dieser Zeit. Ein paar Geschichten und zwei Kinderfotos - mehr gibt es für Lorenz Putz nicht an Erinnerungen.

Verschollene Unterlagen

„Sehen statt Hören“-Moderatorin Anke Klingemann hat eine Überraschung für ihn:  Im International Tracing Service (ITS) werden seit 1944 Dokumente und Informationen über Menschen gesammelt, die von der NS-Herrschaft verfolgt wurden. Unzählige Unterlagen und Informationen über ehemalige Häftlinge der Konzentrationslager sind dort archiviert. Das Material wird erforscht und digitalisiert. Dabei sind auch persönliche Unterlagen von Lorenz Putz‘ Vater aufgetaucht. Gemeinsam mit seiner Frau Maria und Anke Klingemann macht sich Lorenz junior auf den Weg nach Dachau, um die Unterlagen einzusehen. Die Aufregung ist groß, denn noch ahnt er nicht, was ihn dort erwartet.

Fotos, Briefe, Karten

Ramona Bräu ist Mitarbeiterin im ITS und extra aus Zentrale Bad Arolsen in Hessen angereist, um das Ehepaar Putz zu treffen. Mitgebracht hat sie Unterlagen über Lorenz Putz‘ Vater. Und sie hat auch alte Fotos, Briefe und Postkarten von Lorenz Putz dabei. Er musste alle seine Sachen abgeben, als er ins Konzentrationslager kam. 73 Jahre haben sie im Archiv gewartet, bis sie nun den Angehörigen übergeben werden können.

Eine emotionale Zeitreise

Für Lorenz Putz und seine Frau eine emotionale Zeitreise. Die Unterlagen lassen die Zeit des Vaters im KZ aufleben: Sie sprechen von Zwangsarbeit, von Strafen und Krankheit. Aber da sind ja auch noch die Fotos - von seinen Schwestern und seinem Bruder. Und auch von ihm selbst, als kleiner Bub in Leitmeritz. Die meisten Fotos sieht Lorenz zum allerersten Mal. Er bekommt auch Briefe an den Vater, aus dem Internat von Lorenz‘ Lehrern, einer ist sogar von ihm selbst, als „Lenzerl“ hat er damals unterschrieben. Ungeahnte Erinnerungsstücke, für die Lorenz Putz froh und dankbar ist.

Ein Aufruf


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