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Hilfe auf vier Pfoten Assistenz- und Therapiehunde

Sitz, Platz, Fuß – auf diese Kommandos sollte jeder Hund hören. Aber Assistenz- und Therapiehunde können viel mehr. So wie Soley und Bailee, die für ihre Besitzer wichtige Begleiter sind und deren Leben verändert haben.

Stand: 21.05.2019

Wenn bei Florian Etlinger der Wecker klingelt, kommt seine Hündin Soley und stupst ihn wach. Früher hatte den 35-jährigen Österreicher ganz normal ein Blitzwecker aufgeweckt. Da ist ihm die Hundeschnauze deutlich lieber. Seit zwei Jahren und zwei Monaten ist Soley bei ihm. Die Entscheidung für einen Hund war ganz spontan - und für ihn eine sehr gute. Soley meldet zuverlässig, wenn es an der Tür klingelt, oder der Kurzzeitwecker bimmelt, weil der Tee lange genug gezogen hat.

Immer weiter üben

Forian übt mit Soley

Florian hat Soley bereits ausgebildet bekommen: Im Verein „Partner-Hunde“ in Nußdorf bei Salzburg wurde sie geschult. Das heißt allerdings nicht, dass der Hund nicht noch weiter unterrichtet werden muss. Denn wenn sie nicht üben, verlernen die Hunde das Erlernte. Einmal im Jahr wird Soley in Österreich auf ihre Fähigkeiten als Assistenzhund überprüft.

Welcher Hund eignet sich zum Assistenzhund

Elisabeth Färbinger hat vor 29 Jahren eine Assistenzhundeschule aufgebaut und seither mit ihrem Team rund 330 Vierbeiner ausgebildet. Sie weiß, woran man erkennt, ob ein Hund als Assistenzhund geeignet ist. Für gehörlose Menschen eignet sich ein Hund, der gerne und selbständig arbeitet, der Entscheidung treffen kann. Das sind meist sportliche und temperamentvolle Hunde – echte „Workaholics“. Für Rollstuhlfahrer eignet sich dagegen ein ruhigerer Hund. Dafür muss der Hund sehr zuverlässig Anweisungen ausführen.

Immer an Florians Seite

Überfordern darf Florian seine Soley nicht. Denn sie ist immer in Bereitschaft – egal ob sie gerade schläft oder wach ist.

"Der Hund braucht zwischendurch Pausen […] Ich selbst nehme mir zwei bis drei Stunden Zeit am Tag, in denen ich mich mit dem Hund bewege. Sei es, dass wir zusammen üben oder sie einfach Auslauf bekommt oder anderes."

Florian Etlinger

Soley ist immer an Florians Seite, als Assistenzhund darf er sie grundsätzlich auch in öffentliche Einrichtungen mitnehmen und auch Geschäftsleute lassen ihn meist mit seiner vierbeinigen Begleitung eintreten. Zumindest in Österreich ist das klar geregelt.

Ausbildung und Kosten

Die Ausbildung der Assistenzhunde ist intensiv – und beginnt früh: Schon in den ersten Lebenswochen wird der Hund überall mit hingenommen und dadurch gut sozialisiert. Die nächsten Monate wird intensiv geübt, die Spezialausbildung beginnt der junge Hund mit etwa 10 Monaten. Sie dauert zwischen vier und sechs Monaten und ist kostspielig: Zwischen 15.000 und 35.000 Euro kostet sie. Während in Österreich die Ausbildung der Assistenzhunde gesetzlich klar geregelt ist, gibt es in Deutschland bisher nur Regelungen für Blindenführhunde. Vereine und Verbände kämpfen darum, dass der Assistenzhund auch für andere Behinderungen als Hilfsmittel anerkannt wird: Zum Beispiel Rollstuhlfahrer, Diabetiker, Autisten und auch Gehörlose würden davon profitieren. Doch eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht. Und damit bleibt die Finanzierung weiterhin dem Einzelnen überlassen.

Bailee, der Therapiehund

Bailee

Hunde können auch noch anders helfen: Sie können Therapie sein. So wie Bailee.Der Kölner Betreuungsassistent Rob Davis und sie sind ein starkes Team, das „Doodleduo“ – Clown und Hund. Wenn Rob als Clown mit den Altenheimbewohnern Gedächtnistraining oder Physiotherapie macht, ist der Hund immer mit dabei. Gerade bei Menschen mit Demenz ist es oftmals Bailee, die Kontakt herstellen kann. Sogar wenn Rob Menschen auf dem allerletzten Weg begleitet, ist der Vierbeiner an seiner Seite. Auch Bailee hat eine Ausbildung: Sie ist ein Geriatrie-Hund – also speziell für den Umgang mit alten Menschen trainiert. Rob kam zufällig zu seiner Bailee.

"Ich wollte einen Hund haben, aber einen der auch arbeitet und nicht nur faul rumliegt und nur zum Streicheln taugt. Das fand ich langweilig. […] Das erste Angebot fand ich bei „4 Pfoten für Sie“, einem  „Besuchsdienst für Personen mit Demenz“, der auch Gehörlose einschloss. […] Ich überlegte, welche Ausbildung der Hund noch durchlaufen könnte […] und stieß auf den „Assistenz- und Therapiehund“. Das fand ich interessant. Ich kontaktierte den Trainer und fragte nach, ob die Ausbildung auch mit Gebärdensprache funktionieren kann. „Das sollte klappen“ war die Antwort und zu teuer war es auch nicht, denn ich musste es ja selbst finanzieren."

Rob Davis

Nicht nur seine Patienten profitieren von Bailee: Auch er selbst sieht den Hund für sich als absolute Bereicherung an. Gemeinsam haben sie sich ein neues Leben aufgebaut – und der Bailee ist für ihn pure Freude.


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