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Ace Mahbaz Kreativer und Weltbürger

Ace Mahbaz ist Künstler, Poetry Slammer, Schauspieler und Autor. Und ein absoluter Weltbürger ...

Stand: 24.08.2019

Ace wird 1986 im Iran geboren und wächst dort als einziges Kind bei seinen Eltern auf. Mit seinen Eltern gebärdet er iranisch. 1996 flieht er mit seinen Eltern nach Deutschland – im Iran ist die politische Situation schwierig und gerade für Gehörlose gibt es wenig Zukunftschancen. Selbst in der eigenen Familie ist er als Gehörloser nicht gut angesehen.

"Als Ace ungefähr 6 Monate alt war, wussten wir immer noch nicht, ob er gehörlos oder hörend ist. Der Arzt bestätigte uns, dass er gehörlos ist. 'Gut' dachten wir. Doch in unserer Familie wurde über die Gehörlosigkeit nicht gut gesprochen. Sie hatten den Glauben, unser gehörloser Sohn wäre eine Strafe Gottes. Sie hatten leider ein negatives Bild von uns. So war das eben."

Mehdi Mahbaz, Vater von Ace

Aufgeweckt und sehr kommunikativ

Ace ist ein extrem aufgeweckter Junge mit großer Auffassungsgabe, großer Neugier und sehr guten kommunikativen Fähigkeiten. Das überrascht sogar seinen Vater. Ace löcherte ihn permanent mit Fragen – egal ob es dabei um ein Kinderbuch, Gespräche seiner Mitmenschen oder um Politik geht. Doch im Iran ist diese Neugier gar nicht so einfach.

"Er stellte auch Fragen über Politik. Ich musste dann immer innehalten, denn hätte ich ihm offen meine Meinung gesagt, hätte er davon später in der Schule erzählt. Meine Angst war, deshalb verhaftet zu werden. Man konnte im Iran nicht einfach seine Meinung äußern und frei reden."

Mehdi Mahbaz, Vater von Ace

Die Flucht nach Deutschland

In der Gehörlosenschule langeweilt sich Ace. Er sucht immer Kontakt mit älteren Kindern, die ihn aber häufig nicht akzeptieren. Die Schule tut ihm nicht gut, stellen die Eltern fest. Und die Unterdrückung im politischen System nimmt zudem alle Freiheit. Ace' Tante lebt zu diesem Zeitpunkt bereits in Köln, sie hat den Iran aus politischen Gründen verlassen. Mehdi Mahbaz flieht 1994 ebenfalls nach Köln -  zwei Jahre später folgt ihm seine Frau mit dem gemeinsamen Sohn. Für Ace beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Schnell lernt er die Deutsche Gebärdensprache, mit seinen Eltern gebärdet er weiter iranisch. Als seine Familie aus beruflichen Gründen nach London umzieht, kommt Englisch als weitere Sprache dazu. Ständig zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen zu wechseln wird für Ace zur Gewohnheit und prägt seine Persönlichkeit.  

"Als ich mit 21 in London wohnte und hin- und herpendelte, lernte ich immer mehr die englische Sprache. Sprachen haben mich ja schon immer fasziniert. Erst bin ich mit iranischer Gebärdensprache aufgewachsen, dann mit der Deutschen, also war ich hungrig auf eine Neue. Und so lernte ich sehr schnell die britische Gebärdensprache."

Ace Mahbaz

Ace schreibt die Drehbücher für die erste Staffel der britischen Sitcom "Small World" – die einzige in Gebärdensprache. Selbst spielt er dabei einen temperamentvollen Italiener, der den Zusehern viel Spaß macht. Mittlerweile arbeitet er schon 14 Jahre im Theater- und Filmbereich.

"Den überwiegenden Teil war ich im Theaterbereich. Der ist mir schon ganz gut vertraut. Beim Film ist es zwar ähnlich, aber dann doch auch anders. Der Gebärdenraum ist nicht so groß. Man muss aber mehr ausstrahlen. Das ist interessant. Man lernt einfach nie aus."

Ace Mahbaz

Nicht sesshaft – und zufrieden

Nur ein Ort, eine Kultur und eine Sprache? Für Ace unvorstellbar und langweilig. Auch, weil er aus der permanenten Veränderung und den unterschiedlichen Begegnungen seine Kreativität zieht. Sesshaft werden fällt ihm schwer. Er liebt die Veränderung, ist immer in Bewegung - und ist froh mit seiner Art zu leben.

"Ich mag es. Ich trage viele Kulturen in mir. Dadurch fühle ich mich unheimlich reich. Ich denke, irgendwann werde ich an mehreren Orten zuhause sein. Ich finde das nicht unbedingt geil. Es ist einfach so wie es ist. Einfach anders."

Ace Mahbaz


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