BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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30 Jahre Mauerfall Eine Familiengeschichte aus Sachsen

Nelly und Peggy sind nach der Wende in Sachsen geboren. Was für sie heute selbstverständlich ist, war vor 30 Jahren unvorstellbar. Reisen zum Beispiel. Nach dem Mauerfall war alles offen, viele haben darin eine Chance gesehen. Doch es gibt auch Gehörlose, die mit dem Fall der Mauer nicht so gut umgehen konnten. Nelly und Peggy begeben sich auf eine Reise in die Vergangenheit.

Stand: 02.11.2019

Nelly und Peggy sind Schwestern und nach der Wende in Zwickau in Sachsen aufgewachsen. Sie sind gehörlos, Gebärdensprache ist ihre Muttersprache - was sonst. Peggy hat gerade ihr Abitur in Essen gemacht und Nelly studiert Frühförderung in Köln. Alles ganz selbstverständlich. Heute.

Wie war das alles damals in der DDR?

Und vor 30 Jahren, vor der Wende? Welche Möglichkeiten hatten ihre Eltern?

Der Vater Norman war als Leistungssportler einigermaßen privilegiert. Die Mutter Pia schon weniger, weil sie aus einer religiösen Familie kommt.

Nelly und Peggy fragen ihre Eltern

Gebärdensprache? Fehlanzeige. Die DDR war lautsprachlich orientiert. Pia hat lange Jahre als Schauwerbegestalterin gearbeitet, ihr Mann als Mechaniker in einer Motorenfabrik. Für die Eltern kam die Wende plötzlich. Für Gehörlose gab es damals ja nur wenige Informationsmöglichkeiten.

Nach der Wende hat Pia studiert und arbeitet heute als Dozentin für Gebärdensprache an der Hochschule Zwickau. Norman ist einer der wenigen, der seinen Job auch nach der Wende behalten hat.

Neue Selbstverantwortung

Auf ihrer Reise treffen Nelly und Peggy auch Katja Fischer, Daniela Brummer und Minna Neumann.

Katja war noch ein Teenie als die Mauer fiel und doch schon euphorisiert dabei, wie sie selbst sagt.

"Naja, damals, da war ich 16 und hatte von der Politik schon so einiges mitbekommen, und ich wusste: Die Menschen waren nicht einverstanden damit, durch die Mauer eingesperrt zu sein."

Katja Fischer

Mit dem Fall der Mauer standen dann für sie neue Türen offen. Zum ersten Mal, erinnert sie sich im Gespräch mit Nelly und Peggy, konnte sie für sich selbst entscheiden.

"Davor ist alles über mich hinweg entschieden worden - vom Staat, vom System - ich war wie fremdgesteuert."

Katja Fischer

Ganz anders hat Daniela Brummer die Veränderungen empfunden. Sie wurde arbeitslos - und blieb es.

"Ich finde ja, dass es besser gewesen wäre, die Mauer wäre nicht gefallen. Natürlich ist das jetzt zu spät. Damals haben die Leute ja auch alle gejubelt, aber viele sind heute enttäuscht, sind pleite gegangen, die Arbeitslosigkeit ist hoch, es gibt Obdachlosigkeit, viele haben kein Geld, es gibt immer mehr arme Leute. Die tun mir leid! Also früher, in der DDR, gab's Vollbeschäftigung."

Daniela Brummer

Reflexionen am Ende der Reise

Und Nelly und Peggy? Sie gehen ganz selbstbewusst und offen ihren eigenen Weg. Am Ende lassen sie die Momente ihrer Zeitreise noch einmal auf sich wirken und ziehen ihre Schlüsse daraus. Welche? - Sehen Sie selbst!

Sendetermine

"30 Jahre Mauerfall" ist eine Ko-Produktion von BR und MDR und wird am 9. November 2019, 9.00 Uhr im BR Fernsehen in der Reihe "Sehen statt Hören" und am 17. November 2019, 8.00 Uhr im MDR in der Reihe "Selbstbestimmt" ausgestrahlt. Hier gibt es ab Donnerstagnacht den Film schon online zu sehen.


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