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Gartenzwerge Gartenbewohner mit Tradition!

Von den einen geliebt, von den anderen gehasst; für die einen Kult, für die anderen der Untergang der Gartenkultur. Dabei sind Gartenzwerge beachtenswerte Gesellen mit langer Tradition. Vor allem die tönernen Exemplare ...

Stand: 27.01.2014 | Archiv

Gartenzwerge | Bild: BR

Die Geschichte des tönernen Gartenzwergs beginnt im thüringischen Gräfenroda, 50 Kilometer südlich von Erfurt. Mitte des 19. Jahrhunderts war Gräfenroda Standort zahlreicher Terrakotta- und Porzellanbetriebe, darunter die noch heute bestehende Manufaktur Griebel.

Von Tierköpfen und Märchenfiguren

Tierkopfmodelleur Philipp Griebel

1874 macht sich der gelernte Tierkopfmodelleur Philipp Griebel selbstständig. Seine Spezialität: Tierköpfe aus Ton, die er maßgeschneidert für abgeworfene Geweihe anfertigt. Zudem entstehen in seiner Werkstatt naturgetreue Abbilder von Waldbewohnern oder Haustieren.

Schnell finden seine Figuren Liebhaber auf der ganzen Welt. Später erweitern Märchenfiguren wie Rotkäppchen und der Wolf das Sortiment - und dann erscheinen die ersten Zwerge auf der Bildfläche. Mit Garten allerdings hatten die Zwerge anfangs noch nichts am Hut:

Bergmänner und Gnome

"Ich gehe davon aus, dass die Zwerge ab etwa 1880 geschaffen wurden. Nicht als Zwerge, sondern als Nachbildung der Bergmänner, als Gnome bezeichnet. Sie waren Symbol des Fleißes, und dann natürlich auch als Werbefigur, als PR-Träger würde man heute sagen. Und wenn man die Kerle so sieht, kann man sich eigentlich nichts Besseres vorstellen."

Reinhard Griebel, Gartenzwergmanufaktur Philipp Griebel

Und heute?

Die Manufaktur Griebel produziert Gartenzwerge mittlerweile in der 4. Generation. Jedes Jahr entstehen hier bis zu 5.000 Stück - meist verschiedene Varianten in kleineren Serien, aber auch individuell nach Kundenwunsch. Und die Nachfrage ist groß. Kein Wunder, sollen sich in deutschen Gärten doch um die 20 Millionen Zwerge tummeln.

Der lange Weg zum Zwerg

Zehn Tage dauert die Herstellung eines Tonzwerges. In der Nassmühle mischt man als erstes die Grundmasse aus Wasser und Ton, den sogenannten Schlicker. Dieser wird in eine zweiteilige Gipsform gegossen. Dann heißt es 15 Minuten warten. Der poröse Gips saugt in dieser Zeit einen Teil der Feuchtigkeit auf und die Masse bildet eine 4 mm dicke Haut auf der Innenseite der Form. Nach 4 Stunden kann man den Zwerg vorsichtig befreien. Entformen nennt das der Fachmann. Anschließend braucht der Rohling Ruhe und muss langsam trocknen, damit er keine Risse bekommt. Anschließend entfernt man die Gießnähte und begradigt die Kanten.

Dann heißt es wieder: zwei Tage trocknen. Danach steht den Zwergen eine heiße Nacht bevor. Damit die Zwerge später Wind und Wetter trotzen können, sollen sich ihre Hautporen, also die des Tons, verdichten. Und das geschieht im Brennofen. Bei 1.000 Grad harren sie mehrere Stunden aus. Dabei werden sie etwas kleiner und verfärben sich in ein blasses Rosa.

Sobald die Zwerge abgekühlt sind, kommen sie in die Hände von Mitarbeiterin Veronika Jäger. Sie sorgt mit dem richtigen Anstrich für das individuelle Aussehen und einen gesunden Teint der Winzlinge. Zum Einsatz kommt Fassadenfarbe. Diese bleicht nicht so schnell aus und dient als zusätzlicher Schutz gegen eindringende Nässe. Ist der Zwerg getrocknet, kann er seine Reise in die Welt antreten.

Ton oder Kunststoff

Für einen Fachmann ist es durchaus von Bedeutung, ob die Zwerge aus Ton oder aus Kunststoff hergestellt sind. Kunststoff-Zwerge werden abwertend als "unbeseelt" bezeichnet, traditionelle Zwerge aus Ton hingegen als "beseelt" geschätzt. Und Puristen akzeptieren eigentlich nur männliche Exemplare.

Reinhard Griebels Tipp für Zwergen-Besitzer: die kleinen Kerle nicht direkt auf den Boden stellen. Denn der Ton nimmt Wasser auf und könnte bei Frost zerplatzen. Zudem ist der Ton-Zwerg etwas empfindlicher als sein Kunststoffpendant und verbringt den Winter am liebsten im Warmen. Erfüllt man ihre Ansprüche, kann man die Gesellschaft dieser traditionsreichen Gartenbewohner lange genießen.


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