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Kasten oder Hahn Wie gut ist unser Leitungswasser?

Frisches gesundes Wasser aus der Leitung – kann man sich darauf verlassen? Was, wenn Umweltgifte oder Chemikalien hineingelangen? Wie sauber und sicher ist das bayerische Leitungswasser, auch in problematischen Regionen mit viel Landwirtschaft? "Gesundheit!"-Moderator Fero Andersen besucht eine Familie im niederbayerischen Hohenthann und möchte mit ihnen gemeinsam herausfinden, ob es ihr Leitungswasser mit gekauftem Mineralwasser aufnehmen kann.

Von: Susanne Wimmer

Stand: 07.06.2021

Wasserkisten-Schleppen ist schwer, sie durch die Gegend zu fahren, ist zudem schlecht für die Umwelt. Doch viele Menschen misstrauen ihrem Leitungswasser. Dabei ist es eines der am besten kontrollierten Lebensmittel überhaupt.

Auch Familie Hatzl aus Hohenthann im Landkreis Landshut stand lange vor der Frage: weiter schleppen oder es mit Leitungswasser probieren? Das ist in dieser landwirtschaftlich geprägten Region nämlich nicht sehr populär. In ihrem Freundes- und Familienkreis kennen sie niemanden, der das Wasser aus der Leitung trinkt. Der Grund: angeblich hohe Nitratbelastungen. Trotzdem ist die Familie zu einem Experiment bereit.

Ab wieviel Litern trinkt man genug Wasser?

Die Hatzls sollen schätzen, wieviel sie pro Tag trinken. Die 13-jährige Miriam kommt auf gute eineinhalb Liter. Auch die anderen norden sich zwischen 1,2 und 1,7 Litern ein. Aber ist das genug?

Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale soll helfen. Eineinhalb Liter sind perfekt, sagt sie. Zusammen mit der Flüssigkeit aus der Nahrung sollen wir nämlich auf rund 2,5 Liter kommen. Das ist die Menge, die wir über den Tag hinweg verlieren: über Urin und Stuhl, die Haut und den Atem. 

Bislang waren die Hatzls Mineralwasser-Trinker. Was ist daran eigentlich gesund?

"Gerade wenn ich zum Beispiel wenig Kalzium aufnehme über die Nahrung, also wenig Milchprodukte oder gar keine, kann mir das Mineralwasser auch helfen hier den Mineralstoffgehalt aufzufüllen."

Daniela Krehl, Ernährungsberaterin, Verbraucherzentrale Bayern

Auch Magnesium oder Kalium liefern dem Körper wichtige Mineralstoffe.

Ein Besuch beim Wasserversorger: Aktivkohle-Filter reinigen das Grundwasser

Wie steht das Leitungswasser der Hatzls dagegen da? Das will Moderator Fero Andersen beim regionalen Wasserversorger herausfinden. Dr. Marlene Gruber kümmert sich beim Wasserzweckverband in Rottenburg um den Grundwasserschutz. Der Brunnen ist fast 100 Meter tief.

"Wir sehen hier nur den Brunnenkopf. Da gibt’s unterschiedliche Erdschichten. Es gibt wasserführende Schichten und nichtwasserführende Schichten. Daraus ziehen wir dann auch das Wasser. Irgendwo bei den knapp 90 Metern."

Dr. Marlene Gruber, Projektkoordinatorin Landwirtschaft und Grundwasserschutz, Rottenburg a.d. Laaber

Bis ein Regentropfen, der auf einer umliegenden Wiese versickert, unten angekommen ist, dauert es in dieser Gegend 25-30 Jahre. Auf dem Weg nach unten ist der Tropfen nicht allein. Auch Schadstoffe aus Landwirtschaft oder Industrie landen früher oder später im Grundwasser. Für die Wasserversorger wird das immer mehr zum Problem. Denn sie müssen strenge Grenzwerte einhalten.

Eine Aktivkohle-Filteranlage filtert die Reste eines Pflanzenschutz-Mittels aus dem Wasser, das bereits vor 30 Jahren verboten wurde. Im Grundwasser ist es nach wie vor.

"Die ganze Aktivkohle, die in diesen drei Kesseln drin ist, die hat eine Oberfläche, die ist so groß wie halb Bayern, also riesig. Ähnlich wie ein Schwamm. Das Wasser läuft hier durch und die chemischen Partikel bleiben in der Aktivkohle drin, also in den Poren."

Dr. Marlene Gruber, Projektkoordinatorin Landwirtschaft und Grundwasserschutz, Rottenburg a.d. Laaber

Auch Nitrat aus Düngemitteln landet zwangsläufig im Grundwasser. Die Wasserversorger bemühen sich daher um Kooperationen mit Landwirten. Die werden finanziell gefördert, wenn sie im Brunneneinzugsgebiet weniger düngen.

Leitungswasser im niederbayerischen Hohenthann schneidet gut ab

"Ihr habt ein richtig gutes Leitungswasser hier. 50 Milligramm Nitrat pro Liter ist der Grenzwert und wir sind hier bei 18,2. Das sieht sehr gut aus. Es ist sogar etwas mehr Kalzium als in dem gekauften Mineralwasser. Magnesium ist von den Werten auch vergleichbar. Also selbst da spricht nichts gegen euer Leitungswasser."

Daniela Krehl, Ernährungsberaterin, Verbraucherzentrale Bayern

In der Gemeinde Rohr trifft Moderator Fero Andersen Dominik Lanzl. Er ist Leitungswasser-Enthusiast und Aktivist des Vereins "a tip: tap".

"Wir schauen, dass wieder mehr Leitungswasser getrunken wird. Weil im Vergleich zu den 70er Jahren wird heutzutage 15-mal so viel Flaschenwasser getrunken. Und deswegen schauen wir, dass die Wasserwende kommt."

Dominik Lanzl, a tip: tap e. V., Initiative Wasserwende, Rohr

Das Rathaus von Rohr beispielsweise trägt seit kurzem die Auszeichnung: Leitungswasserfreundlich. Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer und den Gemeinderäten kommen künftig nur noch Leitungswasser-Flaschen auf den Sitzungstisch.

Auch Firmen und Geschäftsleute will der Verein motivieren, die Wasserwende mitzutragen. Der Regional-Laden in Rottenburg an der Laaber ist seit kurzem Refill-Station. Passanten bekommen hier kostenlos frisches Leitungswasser.

Auf die Leitungen kommt es an!

Was aber, wenn die Leitungen im Haus verunreinigt sind? Zurück zu Familie Hatzl. Für die Wasserrohre im Haus ist Hans verantwortlich. Theoretisch könnten die Rohre im Haus unerwünschte Stoffe abgeben. Fakt ist: Die Verantwortung des Wasserversorgers endet am Zähler.

Wer sich unsicher ist, zum Beispiel, wenn das Wasser komisch riecht oder die Rohre schon besonders alt sind, kann eine Wasserprobe entnehmen und an ein akkreditiertes Labor schicken. Der Test kostet zwischen 20 und 50 Euro.

Familie Hatzl will dem Leitungswasser künftig eine Chance geben. Und auch die Grundschule in Hohenthann ist Teil der Aktion Wasserwende.


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