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Gegen Haut- und Rückenprobleme Trend bei Therapien: Was können Heilerde, Fango und Moor?

Schlamm und Matsch kann wertvoll sein: Bestimmte Erden werden wegen ihrer Inhaltsstoffe für Therapien eingesetzt. Manche schwören auf Moor- und Fangopackungen gegen Rückenprobleme. Heilerde soll bei Unreinheiten und Sodbrennen helfen. Was ist dran?

Von: Veronika Beer, Manuel Steiger

Stand: 04.11.2019

Moor wird schonend abgebaut und dann mit der Bahn abtransportiert.

Erden in den unterschiedlichsten Formen können dem menschlichen Körper guttun. Das weiß auch Robert Füglein, der mit seiner Familie im Sterntaler Filz bei Bad Feilnbach lebt. Die Fügleins bauen hier schon seit Generationen Moor ab – für Kurkliniken, Moorbäder und Moorpackungen. Das Ganze geschieht sehr schonend mit den Händen, ein paar Handschuhen und Eimern.

Wie entsteht Moor?

Moor entsteht durch abgestorbenes Holz, Pflanzenfasern und Pollen, die über tausende von Jahren verrotten. Das Moor eignet sich als Therapieform, beispielsweise bei Gelenkschmerzen. Es findet aber auch Anwendung in der Hautkosmetik.

Schwebendes Gefühl im heißen Vollbad

Ein Vollbad in 42 Grad heißem Moor

Grundsätzlich wird Moor überwiegend heiß verwendet. Als Packung, Knettherapie – oder als Bad. Das Moor ist dann zur Hälfte mit Wasser vermischt und um die 42 Grad heiß. Patienten sprechen davon, in der Wanne zu schweben. Die Wärme sorgt dafür, dass sich der Körper gänzlich entspannt. Zu lange sollte man dennoch nicht im Moorbad bleiben, weil es sonst zu Kreislaufproblemen kommen kann.

"Der Körper nimmt die Wärme langsam auf und gibt sie langsam wieder ab. Das ist eine Art Heilfieber. Der Patient kann eigentlich bis zu 20 Minuten darin liegen bleiben. Und das schadet auch nicht – es sei denn, er ist kreislaufgeschwächt. Da muss man schon durchgecheckt und auch relativ gesund sein."

Silke Werner-Karl, Bademeisterin in Bad Aibling

Eiskaltes Moortretbecken für bessere Durchblutung der Beine

Das Moortretbecken soll die Durchblutung anregen.

In der Bad Feilnbacher Reha-Klinik gibt es eine spezielle Behandlung, die Dr. Gottfried Herold bei seinen Patienten gerne anwendet: das Moortretbecken – bei fünf Grad ein sehr erfrischendes Unterfangen. Das soll durch seine spezielle Zusammensetzung vor allem die Durchblutung in den Beinen anregen.

"Die Huminsäure ist eine hochaktive Substanz, das ist der größte Bestandteil. Dann sind Lignine, also Holzbestanteile drin. Und wir haben Teere drin, die dann die chemischen Wirkungen über die Haut machen sollen."

Dr. med. Gottfried Herold, Chefarzt des Zentrums für ganzheitliche Rehabilitation, Bad Feilnbach

Fango: Vulkanerde gegen Rückenprobleme

Eine weitere Erde, die schon seit langer Zeit zur Peloid-, also zur Wärmetherapie verwendet wird, ist Fango. Beim Fango handelt es sich um Vulkanerde, im Gegensatz zum Moor also um eine mineralische Erde.

Gerade bei Rückenproblemen kann die Wärme des Fangos positiv wirken. Durch eine stärkere Durchblutung im Gewebe können Stoffe, die sich durch Rückenschmerzen bilden, besser abtransportiert werden.

Heilerde soll Unreinheiten entfernen

Eine weitere Erdsorte ist gerade besonders angesagt: die Heilerde. Dabei handelt es sich um Erde, in der Regel um Löss oder Lehm, das durch den Wind recht feinkörnig wird. Auf der Haut fühlt sich das leicht samtartig an und ist fast geruchsneutral.

Auch Heilerde sollen eine positive Gesundheitswirkung haben. Die Haut wird stärker durchblutet. Das regt den Stoffwechsel an. Dadurch soll es weniger Unreinheiten geben.

"In der Heilerde gibt es bestimmte Wirkstoffe, die Bindungskapazitäten haben und manche Dinge einfach aus dem Körper entziehen können. Und man kann Heilerde auch einnehmen, als Pulver oder als Kapseln."

Dr. med. Gottfried Herold

Vor Einnahme mit Arzt oder Apotheker sprechen

So verabreicht, soll die Erde soll vor allem bei Sodbrennen oder säurebedingten Magenbeschwerden helfen. Heilerde gibt es mittlerweile überall zu kaufen, auch in Drogerien. Experten raten aber dringend zu, sich vor der Einnahme von einem Arzt oder Apotheker beraten zu lassen.


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