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Wintereinbruch extrem Lawinen – und Schneebruchgefahr, Sperrungen und eingeschlossene Orte

So einen massiven Wintereinbruch wie dieser Tage gab es schon lange nicht mehr auf der Alpennordseite. Von der Steiermark über Tirol und Vorarlberg bis zur Ostschweiz türmen sich die Schneemassen. Besonders betroffen sind auch die Bayerischen Alpen, vor allem der Raum Berchtesgaden und der Kreis Miesbach. Statt „nix wie raus“ heißt es jetzt besser „bloß drin bleiben“. Und das hätten besser auch einige Skifahrer und Tourengeher getan, wie die Lawinenereignisse der vergangenen Woche zeigen.

Von: Sebastian Nachbar

Stand: 12.01.2019 | Archiv

„Extrem“ sagen die einen, „einfach Winter halt“ die anderen. Fakt ist: Es hat auf der Nordseite der Ostalpen seit Beginn des neuen Jahres so viel geschneit wie seit vielen Jahren nicht. Die Folgen: Schulausfälle, Katastrophenalarm und Lawinenwarnstufe 4 von 5, also große Lawinengefahr, mehr oder weniger schon die ganze Woche. Da stellt sich die Frage: Skitourengehen, Variantenfahren - geht da überhaupt noch was in den Regionen, in denen es so viel geschneit hat?

Hannes aus Ruhpolding ist unterwegs am Unternberg – der Massenskitour im Chiemgau schlechthin. Normalerweise sind dort pro Tag mehr als hundert Leute unterwegs, auch während der Woche. Heute aber trifft er niemand, es hat einfach zu viel Schnee. Die Messstation gegenüber am Dürrnbachhorn, nur wenige Kilometer entfernt, meldet eine Schneehöhe von fast 3 Meter 40 - ein Spitzenwert für ganz Bayern.

Georg Sojer ist Bergretter, Bergführer und Mitarbeiter der örtlichen Lawinenkommission und empfiehlt Wintersportlern im Moment totale Zurückhaltung, absolut defensiv sein. Wenn überhaupt könnte man höchstens Pistenskitouren verantworten, meint er, aber auch das ist nicht völlig risikolos. Am besten also abwarten, denn der Winter ist noch lang.

Weiter westlich, im Rosenheimer Land, liegt der Schnee zwar nicht ganz so hoch, lawinengefährlich ist es trotzdem. Hinzu kommt, dass die Anreise über die Autobahnen schwierig ist, sagt Bergblogger und Skitourengeher Markus Stadler aus Rosenheim. So lange es so schneit, ist es problematisch überhaupt bis in die Skigebiete zu kommen, weil die Straßenverhältnisse sehr mühsam sind. Und selbst wenn man etwas findet, das weitgehend sicher ist, bleibt die Frage, ob es dann auch wirklich Spaß macht – auch weil man abwärts durchaus schieben muss aufgrund der Schneemengen. Sich bergab durch den Pulverschnee schieben muss man auch im Salzburger Land. Dort gab es für die Alpennordseite in dieser Woche die höchste Lawinenwarnstufe 5.

In Saalfelden wohnt die Buchautorin Uta Philipp, die eigentlich immer im Gebirge unterwegs ist, aber nicht im Moment. Im Gegenteil: Ihrer Meinung nach gibt es gerade ganz andere kollektive Probleme zu lösen. Skitourengehen erscheint ihr da fast schon respektlos. Eine Freundin von ihr in Bischofshofen koordiniert zum Beispiel die Einsätze eines mobilen Pflegedienstes, da an ganz vielen Orten die Menschen, die normalerweise mehrmals am Tag versorgt werden müssen, jetzt auf ihre Pfleger warten, die aufgrund der Schneelage aber oft nicht oder nur sehr verspätet anfahren können.


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