Religion


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12. März: Purim Das ausgelassenste aller jüdischen Feste

Am Sonntag feiern die Juden Purim, das Losfest. Das Fest wird oft als "jüdischer Fasching" bezeichnet, denn an diesem Tag gehören Verkleidung, Aufführungen und ausgelassenes Feiern dazu.

Von: Patricia Stuchlik / Joel Berger

Stand: 06.03.2017 | Archiv

Purim ist ein Freudenfest. Der Tag erinnert an die Errettung des jüdischen Volkes in der persischen Diaspora im 5. Jahrhundert vor Christus. Der Regierungsbeamte Haman plant die Ermordung aller Juden im Reich. Das genaue Datum soll per Los – im Hebräischen „Pur“ – entschieden werden. Hamans finsterer Plan kann aber Dank der Tapferkeit von Königin Esther verhindert werden. Esther, die ihre jüdische Abstammung zunächst verschwiegen hat, gibt sich ihrem Ehemann, König Achaschwerosch zu erkennen, und bittet um Gnade für ihre jüdischen Brüder und Schwestern. So landet am Ende Haman am Galgen.

Ein Fest der Freude

Am Tag vor Purim wird gefastet. Auch das soll an die Königin Esther erinnern, die alle Juden aufrief zu fasten, um sie bei ihrem Unternehmen zu unterstützen. Am Purim selbst geht es ausgelassen zu: Schon in der Synagoge, wenn der Rabbi die Esthergeschichte verliest, wird jedesmal, wenn der Name des Judenhassers Haman fällt, Krach gemacht: Mit den Füßen, den Händen, mit Rasseln, mit Ratschen. Häufig spielen Kinder die Esthergeschichte nach.

An Purim gilt: Betrinken erlaubt!

Purim in Jerusalem

Daneben gehört gutes Essen und Trinken zum Fest. Ein Rausch beim nachmittäglichen Festmahl ist nicht verboten, der Talmud ermuntert sogar dazu. Besonders prächtig wird Purim in Jerusalem gefeiert, mit bunten Verkleidungen und Umzügen durch die Stadt – daher auch die Bezeichnung "jüdischer Fasching". Aber auch in Bayern wird Purim begangen: Die jüdische Gemeinde Würzburg feiert beispielsweise am 12. März ab 16 Uhr und die israelitische Kultusgemeinde München veranstaltet am 19. März das Oratorium "Purim – Esther, die Retterin" im jüdischen Gemeindezentrum.

Ausstellung in Kitzingen

Das Deutsche Fastnachtmuseum in Kitzingen widmet Purim eine Sonderausstellung. Titel: "jüdisch jeck, Fastnacht und Purim – eine Annäherung". Die Ausstellung informiert über die vielschichtigen Verknüpfungen von christlichem Karneval und jüdischem Purimfest. So gab es in Unterfranken eigene jüdische Fastnachtgestalten, es gab jüdische Karnevalsgesellschaften und berühmte jüdische Karnevalisten. Gezeigt werden zum Beispiel Lärmgeräte, historische Fotografien oder traditionelle Holzmasken. Die Sonderausstellung im Deutschen Fastnachtmuseum in Kitzingen läuft noch bis zum 12. Juli. Schirmherrin ist Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern.


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