Religion


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Tradition Erntedank im Oktober: "Herr, es ist Zeit ..."

Schon die Bibel erzählt davon, wie Kain Gott Früchte von seinem Feld opferte. In vielen bayerischen Gemeinden wird "Erntedank" gefeiert, deutschlandweit seit 1972 üblicherweise am ersten Sonntag im Oktober.

Stand: 27.09.2017 | Archiv

Obst und Gemüse an Erntedank | Bild: picture-alliance/dpa

04 Oktober

Sonntag, 04. Oktober 2015

Dabei wird der Kirchenraum mit Obst, Gemüse, Kartoffeln, Getreide oder Blumen (und manchmal mit Bananen) geschmückt. Für manche Stadtmenschen – und besonders Stadtkinder – ein Aha-Erlebnis: So also sieht Spinat aus, wenn er nicht als eisgrüner Klotz aus der Tiefkühltruhe kommt.

Wenn die Blätter treiben

Postkartenherbst

In den letzten Jahren erlebt der im Dritten Reich propagandistisch missbrauchte und danach etwas vernachlässigte Erntedank eine Renaissance. Zum bundesweiten "Tag der Regionen" werden an 500 Orten Erntedankmärkte und -ausstellungen veranstaltet, auf denen auch die heutigen Arbeits- und Existenzbedingungen der Landwirte zur Sprache kommen. Bauernhofmuseen wie Glentleiten und Amerang erinnern mit "Dreschtagen" an das bäuerliche Leben der Vorfahren.

Die Ambivalenz der Herbsttage, zwischen Lebensfreude und Existenzangst, erinnert Rilkes "Herbsttag": "Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben / Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben / und wird in den Alleen / unruhig wandern, wenn die Blätter treiben".

Hintergründiges zu Erntedank

Nicht jedes Jahr gibt es so eine üppige Ernte.

"... der Sommer war sehr groß." Auch, wenn der erste Vers von Rainer Maria Rilkes "Herbsttag" nur in wenigen Jahren der Wahrheit entspricht – der Wunsch, den Sommer wie eine Tür feierlich abzuschließen, die Ernte in die Scheuer zu fahren und in der kommenden, stilleren Zeit gleichsam Einkehr zu halten, ist uralt. Die Verwandschaft des englischen "Harvest" (Ernte) mit unserem "Herbst" verweist auf diesen Zusammenhang.

"Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein"

Seit sich der Mensch als Teil der Schöpfung begreift, betrachten die großen Religionen die Ernte als Gottesgeschenk und fühlen sich zu Dank verpflichtet. Im jüdisch-christlichen Alten Testament berichtet Moses von einem ersten "Erntedank-Fest": Kain opfert Früchte des Feldes, sein Bruder Abel bringt ein Tieropfer aus seiner Herde. In der christlichen Kirche sind erste Erntedankfeste seit dem 3. Jahrhundert belegt.

Kürbiszeit ist Herbstzeit.

Natürlich wird die Ernte je nach Klimazone zu einem anderen Zeitpunkt eingebracht, weshalb es einen weltweit einheitlichen Termin für das Erntedankfest so wenig gibt wie ein einheitliches Zeremoniell. In vielen Religionen wurde und wird dabei der Korn- und Fruchtbarkeitsgöttinnen gedacht: Der griechischen Demeter, der afrikanischen Cybele, der mesopotanischen Nisaba und der germanischen Freya. Vielfach war es üblich, die letzte Ähre, oft als Figur verziert, auf dem Feld stehen zu lassen oder in ein besonderes Festtagsbrot einzubacken; anderorts steht die Weinlese oder das Sammeln von Feuerholz für den Winter im Zentrum.


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