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Die zweite Räterepublik Kommunisten an der Macht

Am 13. April 1919 tobte am Münchner Hauptbahnhof ein mehrstündiges Gefecht. Am Ende triumphierte die "Rote Armee" über die Konterrevolutionäre. Anschließend riefen die Kommunisten unter Führung von Eugen Leviné die zweite bayerische Räterepublik aus.

Stand: 24.11.2008 | Archiv

Eugen Leviné | Bild: Bayerisches Hauptstaatsarchiv

Der Norden Bayerns war nun in der Hand der gegenrevolutionären Kräfte, den Süden dominierten dagegen noch die Räte. Johannes Hoffmann hatte jedoch auch in München einen militärischen Arm: die "Republikanische Schutzwehr". Sie probte am 13. April, dem Palmsonntag von 1919, den Aufstand.

Fünfstündiges Gefecht am Bahnhof

Münchner Hauptbahnhof, eingenommen von der roten Garde

Es kam zur ersten bewaffneten Auseinandersetzung infolge der Revolution in Bayern: Fünf Stunden lang tobte am Hauptbahnhof der Kampf, der 17 Tote und mehr als 100 Verletzte forderte. Doch die Rotgardisten unter der Führung von Rudolf Egelhofer, der schon maßgeblich an der Kieler Matrosenrevolte beteiligt war, vereitelten den Putschversuch.

Leviné und Levien übernehmen Führung

Kurzporträt von Leviné

Eugen Leviné wurde 1883 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Sankt Petersburg geboren. Er war Teilnehmer der russischen Revolution von 1905, wurde verhaftet und schwer misshandelt. 1909 ging er nach Deutschland. Er schloss sich der USPD an und war Mitbegründer des Spartakusbundes um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Er gehörte auch zur Führungsriege der am 1. Januar 1919 gegründeten KPD.

Die Berliner Parteileitung schickte ihn Mitte März nach München als Organisator der Räterepublik. Nach deren Niederschlagung wurde er am 13. Mai verhaftet. Am 4. Juni wurde er wegen Hochverrats hingerichtet. Kurz vor der Erschießung hatte er ausgerufen: "Für die Weltrevolution!"

Nun schlug die Stunde der Kommunisten: Die beiden Münchner KPD-Führer Eugen Leviné und Max Levien nahmen die Zügel in die Hand. Noch am selben Tag riefen die Betriebs- und Soldatenräte im Hofbräuhaus die "Kommunistische Räterepublik" aus, die nach sowjetischem Vorbild eine "Diktatur des Proletariats" als Ziel hatte. Man bildete Exekutivgremien: einen 15-köpfigen "Aktionsausschuss" und einen aus vier Personen bestehenden "Vollzugsrat", dem Leviné und Levien angehörten. Zu ihren ersten Maßnahmen gehörten das Verbot der gegen die Revolution schreibenden bürgerlichen Presse, die Beschlagnahmung von Lebensmitteln und leerstehenden Wohnräumen sowie ein mehrtägiger Generalstreik. Zudem wurde eine "Rote Armee" unter der Führung von Egelhofer gegründet.

"Wir Kommunisten sind alle Tote auf Urlaub."

Eugen Leviné

Unvereinbare linke Lager

Die revolutionäre Elite Münchens war jedoch zu disparat für ein konsensorientiertes Vorgehen. Gustav Landauer konnte sich mit der zweiten Räterepublik nicht identifizieren und zog sich zurück. Auch Ernst Toller hatte ein distanziertes Verhältnis zu ihr. Er gehörte zwar noch dem Führungszirkel an, befand sich aber mit Leviné in einem Konkurrenzverhältnis, an dem der "Aktionsausschuss" am 28. April auseinanderbrach. Leviné wollte seinen radikal-revolutionären Kurs zwecks Signalwirkung für andere Länder zwar beibehalten, war aber überzeugt davon, dass Deutschland noch nicht reif für eine Räterepublik sei. Er sollte auf grausame Art und Weise Recht behalten.


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