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Zwölfuhrläuten Ziemetshausen in Schwaben

Die Marktgemeinde Ziemetshausen liegt zwischen Augsburg und Krumbach, idyllisch eingebettet im Tal der Zusam, einem etwa 80 Kilometer langen Nebenfluss der Donau. Bekannt ist der erstmals im Jahr 1162 urkundlich erwähnte Ort heute vor allem durch die Wallfahrtsstätte Maria Vesperbild, die jährlich von mehreren hunderttausend Pilgern besucht wird.

Von: Armin Reinsch

Stand: 23.02.2020 | Archiv

Die große Anziehungskraft der Wallfahrt lässt die Pfarrkirche Ziemetshausen etwas aus dem Blickfeld geraten – dies allerdings zu Unrecht! Immerhin handelt es sich um einen bedeutenden Barockbau, der zwischen 1687 und 1694 vom bekannten Wessobrunner Baumeister und Stuckateur Johann Schmuzer unter Verwendung von Mauerteilen der spätgotischen Vorgängerkirche neu errichtet wurde.

Meisterwerk der Wessobrunner Schule

Während der kraftvolle Stuck im Langhaus weitgehend aus der Entstehungszeit der Kirche stammt, weisen Hochaltar und Deckengestaltung des Chorraums auf die Zeit des Rokokos hin. Sie tragen die Handschrift von Tassilo Zöpf, ebenfalls einem Stuckateur und Bildhauer der Wessobrunner Schule. Aber auch namhafte Handwerker und Künstler aus der Region Mittelschwaben haben sich im Kirchenraum verewigt.

Neuromanischer Turm mit mächtigem Geläut

Stilistisch aus dem Rahmen fällt der Turm von St. Peter und Paul – kein typischer Zwiebelturm, wie man ihn bei einer schwäbischen Barockkirche erwarten würde. 1847 erhielt er seine heutige, neuromanische Form. Er trägt ein mächtiges Geläut, das sich aus zwei Glocken des 15. und 17. Jahrhunderts sowie aus drei Nachkriegsglocken von 1949 zusammensetzt. Letztere entstanden bei Kuhn-Wolfart in Lauingen und gehören zu den wenigen Glocken der Gießerei, die nicht in Bronze-, sondern in der Ersatzlegierung "Euphon" gefertigt wurden.


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