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Zwölfuhrläuten Finningen in Schwaben

St. Mammas. In Deutschland gibt es nur eine Kirche, die diesen seltenen Heiligen zum Patron hat. Sie steht im Neu-Ulmer-Stadtteil Finningen. Auf Zypern begegnet man dem Heiligen Mammas häufig, doch hierzulande hat der Name schon oft für Staunen gesorgt.

Von: Regina Fanderl

Stand: 19.08.2018 | Archiv

Aus den vielen Legenden lässt sich zusammenreimen, dass der frühchristliche Märtyrer wohl als Patron der Viehhalter, der Tiere und Steuerzahler gilt. Böse Zungen behaupten, auch der Steuerhinterzieher. St. Mammas soll dem Steuereintreiber von Caeserea auf dem Rücken eines Löwen entwischt sein.

Vielfalt der Baustile

Nach Finningen scheint St. Mammas über die Mönche von der Klosterinsel Reichenau gekommen zu sein, die im 9. Jahrhundert missionarisch in der Gegend unterwegs waren. Am Bodensee war die Mammasverehrung wohl einmal verbreitet.
In jedem Fall stand schon ein Kirchlein da, als das Dorf vor genau 700 Jahren zum ersten Mal in einer Urkunde auftauchte. Am höchsten Punkt des Ortes, auf dem Kirchberg gelegen, hat die Finninger Kirche von der Karolingerzeit bis ins 18. Jahrhundert sämtliche Baustile durchlaufen. Heute begegnet sie uns mit feschem Zwiebelturm und im barocken Gewand. Das Altarbild von 1714 zeigt das Martyrium des heiligen Mammas. Unter anderem mit dem Löwen! Von künstlerischem Wert sind etwa auch die Figuren der Heiligen Ulrich und Afra im Chorraum.

Ökumenische Glocke

Eine wechselvolle Geschichte könnten auch die Glocken erzählen: geprägt von kriegsbedingten Abgaben, Rost oder marodem Gebälk. Doch dank großzügiger Spenden harmonieren seit 2016 vier erstklassige Bronzeglocken von Bachert in Karlsruhe im wohlklingenden Gloriageläut. Darunter, als sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit den evangelischen Christen im benachbarten Reutti, die "ökumenische Glocke". Sie trägt die Darstellung beider Kirchenpatrone und ist somit auch im übertragenen Sinne "aus einem Guss".


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