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Zwölfuhrläuten Biberbach in Schwaben

Bayrisch-schwäbisch? Ganz richtig gehört, der Ort mit dem berühmten Kruzifix, dem "Herrgöttle", befindet sich nicht, wie irrtümlich oft behauptet, im baden-württembergischen Biberach, sondern in Biberbach - einer Marktgemeinde rund 20 Kilometer nördlich von Augsburg.

Stand: 05.01.2020 | Archiv

Die Verwirrung wird noch größer, entpuppt sich doch das "Herrgöttle" nicht als das kleine, bescheidene Gnadenbild, sondern als ein hölzernes, romanisches Kreuz von beachtlicher Größe. Über zwei Meter hoch und mit einer Armspannweite von ähnlich beeindruckenden Ausmaßen, füllt es die Rückseite des Chores aus. Und Jesus, der Gekeuzigte, er lässt den Kopf nicht hängen, sondern blickt den Besuchern fast aufmunternd entgegen. Es heißt ja auch: "Wer dem Liaben Herrgöttle von Biberbach in die Augen schaut, dem schaut das Herrgöttle ins Herz".

Geläut mit dumpfem Klang

Votivgaben und vier gedruckte Mirakelbücher berichten davon, dass das "Herrgöttle" geholfen hat. Dem deutlichen Zuspruch der Wallfahrer verdanken die Biberbacher schließlich auch ihre Pfarrkirche hoch über dem Lech- und Schmuttertal. Ein echtes Barockjuwel, an dem große Meister ihre Kunst bewiesen: Dominikus Zimmermann als Architekt, Balthasar Riepp als Maler und Franz Xaver Feuchtmayer als Stuckateur.
Der markante Turm mit Oktogon, Zwiebelkuppel und Laterne ist weitum zu sehen.

Etwas gedämpft zu hören ist das sechsstimmige H-Moll-Geläute. Bei den fünf großen Glocken handelt es sich um eines der umfangreichsten Weißbronzegeläute der Firma Grüninger in Neu-Ulm aus dem Jahr 1949. Charakteristisch ist dabei neben dem eher dumpfen Klang die extrem geringe Abklingdauer von nur wenigen Sekunden. Ungeachtet dessen rufen sie nun schon seit 70 Jahren die Biberbacher, Wallfahrer und Pilger zum Gebet.


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