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Zwölfuhrläuten Bad Kötzting in der Oberpfalz

Kötzting ohne Pfingstritt: unvorstellbar! Die größte Reiterprozession Europas geht auf ein Gelöbnis aus dem Jahr 1412 zurück.

Von: Regina Fanderl

Stand: 05.06.2017 | Archiv

Im nahen Dorf Steinbühl lag ein Mann im Sterben. Der Legende nach wollte ihm ein Geistlicher die Sakramente bringen. Allerdings nicht ohne ein paar mutige Kötztinger Burschen zu Pferde, die das Allerheiligste vor räuberischen Übergriffen schützen sollten. Nachdem alle wieder glücklich daheim waren, gelobten sie den Ritt jedes Jahr zu wiederholen. So ziehen bis heute alljährlich am Pfingstmontag an die 1.000 Reiter in ihrer Waidler-Tracht auf prächtig geschmückten Pferden durchs Zellertal hinaus nach Steinbühl.  

Drei Deckenfresken zum Thema Pfingstritt

Wer an einem ganz gewöhnlichen Tag des Jahres nach Bad Kötzting kommt, kann sich die Bilder zu dem alten bayerischen Brauch in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt anschauen. Der Bau aus dem 12. Jahrhundert lohnt allein schon einen Besuch, weil er – wie eine Burg – umgeben ist von einer massiven Wehranlage mit Mauern, Graben, Turm und Schießscharten. Neben barocken Elementen wie dem Hochaltar und einer Kanzel von 1730 sind in der Kirche drei Deckenfresken zum Thema Pfingstritt zu sehen, gemalt 1930 von dem Kirchenmaler Josef Wittmann. Dargestellt sind der historische Kötztinger Pfingstritt von 1412, der Brauch in seiner neuzeitlichen Form und die Überreichung des Tugendkränzchens an den Pfingstbräutigam. Kirchenburgpfarrer Herbert Mader hofft, dass die längst notwendige Restaurierung der Fresken bald beginnen kann.

Wenn die Pfingstreiter aus der Stadt ausziehen und wenn sie wieder zurückkehren läuten die Glocken von Mariä Himmelfahrt und St. Veit in harmonischer Eintracht.


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