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Zwölfuhrläuten Pautzfeld in Oberfranken

Es ist schon eine Idylle, wie sie dasteht, die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt – mitten im Ort, der Dorfweiher davor, Reste einer Wehranlage drum herum, mit ihrem geweißelten Langhaus und dem unverputzten Sandsteinturm, den eine geschwungene Schieferkuppel bekrönt.

Von: Klaus Alter

Stand: 11.06.2020 | Archiv

Ein Kleinod haben sich die Pautzfelder da vor Jahrhunderten geschaffen zu Gottes Ehre, als Gebetsstätte und so manches Mal als Zufluchtsort. Im 18. Jahrhundert wurde die Marienkirche erweitert und behutsam im barocken Stil umgestaltet. Und bis auf den heutigen Tag wird sie liebevoll gepflegt und innen und außen in Stand gehalten.

1370 Erhebung zur Pfarrei

Doch nicht das Kirchengebäude gibt heuer Anlass für ein Jubiläumsfest: Man feiert vielmehr 650 Jahre Erhebung von Pautzfeld zur Pfarrei. Zuvor war’s eine Filiale der Forchheimer Martinskirche. Wenn auch das Dörfchen bei der großen Gebietsreform 1978 politisch seine Selbstständigkeit verlor und Teil der Gemeinde Hallerndorf wurde – eine katholische Pfarrei ist Pautzfeld geblieben, auch wenn man sich den Pfarrer mittlerweile mit vier anderen Gemeinden im "Unteren Aischgrund" teilen muss.

Glocken aus dem 17. Jahrhundert

Im 30-jährigen Krieg haben schwedische Soldaten alle Glocken des ersten Geläutes geraubt und zerschlagen. Aber schon 1639, 1643 und 1651 wurden drei neue Glocken für Pautzfeld im nahen Forchheim gegossen. Im Zweiten Weltkrieg mussten alle drei geopfert werden. Glücklicherweise kamen sie unversehrt vom Hamburger Sammellager zurück.
Ihr erstes Läuten galt den Wallfahrern: Seit über 200 Jahren nämlich pilgern die Pautzfelder alljährlich nach Gössweinstein – so auch 1947. Was muss das für ein anrührender Moment gewesen sein, als die Wallfahrer bei ihrer Heimkehr ihre Glocken erstmals wieder hören durften!


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