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Zwölfuhrläuten Lanzendorf in Oberfranken

Ins vierstimmige Geläut der evangelischen Kirche St.Gallus in Lanzendorf mischt sich das Rauschen des Weißen Mains. Er entspringt im nahen Fichtelgebirge und vereinigt sich später bei Kulmbach mit dem Roten Main.

Von: Annerose Zuber

Stand: 19.07.2015 | Archiv

72 Treppenstufen über dem Flußwehr erhebt sich die Galluskirche und grüßt hinaus zum Frankenwald und Fichtelgebirge. Diese Lage auf einem Felssporn nutzte das Rittergeschlecht derer von Wirsberg für den Bau ihres Stammsitzes. Die Grundmauern des Kirchengemeindehauses und der wuchtige Sandstein-Turm mit seiner Schieferspitze sind Reste dieser alten Burg.

Seltene Lutherrose auf Kirchplatz

Die Kirche soll Urpfarrei schon vor Gründung des Bistums Bamberg im Jahre 1007 gewesen sein. Auch das Patronat des irischen Missionars Gallus deutet auf dieses Alter hin. Blickfang der hellen, schlichten Galluskirche mit ihrer umlaufenden Holzempore ist der barocke Kanzelaltar – ein Charakteristikum für die Kirchen der Bayreuther Markgrafen.
Auf dem Kirchplatz ist eine der in Bayern seltenen Lutherrosen zu sehen. Das Briefsiegel Martin Luthers, eine Blüte mit Kreuz im Zentrum, haben die Lanzendorfer bei der aufwändigen Kirchensanierung in den 90er Jahren ins Pflaster verlegt.

Drei alte Glocken

1956 musste die im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgestaltete Kirche umfassend renoviert werden. Denn Sprengungen nach Kriegsende an der Autobahn München-Berlin hatten schwere Schäden hinterlassen. Beim sechsspurigen Ausbau der A 9 nach der Wiedervereinigung wurde die Trasse außerhalb des 900-Einwohner-Ortes verlegt, der heute Teil der Gemeinde Himmelkron ist. Seitdem stören keine Autogeräusche mehr das Lanzendorfer Geläut - die drei alten Glocken können jetzt ihr 500-jähriges Weihejubiläum feiern, die vierte Glocke kam 1956 dazu.


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