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Zwölfuhrläuten Kersbach in Oberfranken (Wdh.)

Kîrsa, kyrse, kerse - Der Name Kersbach geht auf die altdeutsche Bezeichnung für Kirsche zurück, konkret auf den Bach, an dem Kirschen wachsen. 1000 Jahre ist es her, dass "Kyrsebach" in einem Tauschvertrag auftaucht.

Von: Regina Fanderl

Stand: 04.03.2018 | Archiv

Wie mag es damals wohl ausgesehen haben in dem heute aufstrebenden Ort mit S-Bahn-Anschluss? Als gesichert gilt, dass es damals tatsächlich viele Kirschbäume gab. Und auch schon eine Kirche, was ein romanisches Kruzifix beweist.

Wallfahrtskirche mit zwei Patronen

Das schöne Gotteshaus mit dem riesigen gotischen Chorturm, der eindrucksvollen Fassade und der schönen barocken Ausstattung hatte auch etwas zu feiern. Vor 600 Jahren erhob Bischof Albert von Bamberg die Filialkirche Kersbach zur Pfarrei. Lange genug hatten sich die Einwohner darüber beklagt, dass sie auf den schlechten Wegen die für sie zuständige Forchheimer Martinskirche nur schwerlich erreichen konnten.

Als Kirchenpatron wurde Johannes der Täufer gewählt. Als Kersbach später in den Besitz einer Reliquie der heiligen Ottilie kam, war der Andrang der Wallfahrer bald so groß, dass die Patronin der Augenkranken als zweite Patronin gewählt worden ist.
Davon könnte die Kersbacher Dorflinde erzählen, die schon seit 800 Jahren im Dorf stehen soll.

Lebhafte Gemeinde

Heute pilgern übrigens kaum noch Augenkranke nach Kersbach. Vielmehr zieht es junge Familien dorthin, wo - bei besten Verbindungen zu fränkischen Metropolen - ein vielfältiges Vereinsleben herrscht und eine engagierte Pfarrgemeinde nicht nur Kirchenfeste feiert. Und jetzt sollen sogar wieder mehr Kirschen wachsen…

Die vier Glocken im Turm wurden 1946 von Johann Lotter in Bamberg gegossen. Die Ottilienglocke, 27 Zentner schwer, haben die Kersbacher Kriegsheimkehrer gestiftet.


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