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Zwölfuhrläuten Gauerstadt in Oberfranken

Beim Anblick des achteckigen Schieferturms reibt sich so mancher verwundert die Augen, denn er neigt sich mit 3,20 Meter nach Westen. Doch dies war von den Handwerkern im 17. Jahrhundert auch so vorgesehen gewesen. Denn so trotzt der massive Turm, dessen Ursprünge bis in die Stauferzeit reichen, bis heute den Westwinden.

Von: Annerose Zuber

Stand: 12.01.2014 | Archiv

Von seinen drei Glocken wurde die älteste bereits 1488 gegossen. Mit der stattlichen Höhe von 51 Metern ist er der höchste Kirchturm im Landkreis Coburg. Und Gauerstadt hat noch mehr Superlative zu bieten. So findet sich in dem 500-Einwohner-Stadtteil von Bad Rodach mit seinen frankenwald-typischen Fachwerk- und Schieferhäusern eines der ältesten Wirtshäuser der Region. Und in der evangelischen Marienkirche erklingt eine der besten Orgeln, gefertigt von der Schule des berühmten Orgelbaumeisters Silbermann.

Kirchenschiff im sogenannten "Markgräfler-Stil"

Die Ursprünge der Pfarrei reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück. In der Barockzeit wurde das Kirchenschiff im sogenannten "Markgräfler-Stil" neuerrichtet. Dazu gehören die typischen Doppelemporen sowie die Anordnung der Innenausstattung, die einem Kreuz nachempfunden ist: Auf der Längsachse dieses Kreuzes stehen in der Kirchenmitte der Taufstein und an der Wand dann Altar, Kanzel und Orgel übereinander.

Gedenkstätte für Innerdeutsche Teilung

Seit dem Fall der Mauer hat sich Gauerstadt aufgrund seiner idyllischen Lage und seiner Nähe zu Arbeitsplätzen in Bad Rodach und Coburg zu einem beliebten Wohnort für junge Familien entwickelt. Die innerdeutsche Teilung – die Grenze verlief nur einen Kilometer hinter dem Ort – bleibt unvergessen: So erinnert eine kleine Gedenkstätte an das nahegelegene thüringische Dorf Billmuthhausen, das einst auch zur Pfarrei gehört hat. 1978 wurde es von den DDR-Behörden bis auf den Friedhof völlig zerstört. 


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