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Zwölfuhrläuten Döringstadt in Oberfranken

Döringstadt gehört zu den Orten, die den Besucher sogleich für sich einnehmen, ohne dass er auf Anhieb sagen könnte, warum.

Von: Georg Impler

Stand: 10.11.2013 | Archiv

Da ist zum einen der sorgsam gehütete Ortskern einer über 1.200 Jahre alten Siedlung. Heute nicht einmal 500 Einwohner zählend, galt das ursprüngliche "Dorrestat" als wichtiger Warenumschlagplatz und war unter Ludwig dem Deutschen sogar Reichsstadt gewesen. Und da sind zum anderen die malerische Lage im sogenannten Gottesgarten am Obermain, die hübschen Hausgärten und besonders die beeindruckende "Katholische Pfarr- und Wehrkirche St. Martin".

Je ein Uhrenblatt pro Windrichtung

Die Pfarrkirche hebt sich von den Gotteshäusern weitum ab durch ihren über 600 Jahre alten, festungsartigen Sandsteinquaderturm. Weit überragt er mit seinem achtkantigen Schieferhelm das Pfarrdorf und zeigt mit je einem Uhrenblatt auf den Scharwachttürmchen in alle Windrichtungen die Stunden an. Aus den Spitzbogenfenstern des Obergeschosses läuten drei in f, fis und gis gestimmte Glocken, die zusammen über 950 Jahre zählen und in einem kürzlich restaurierten, sechshundertjährigen Glockenstuhl schwingen.

Gotische Abendmahlgruppe

Das weißverputzte Langhaus mit seiner Sandsteingliederung wurde 1714 errichtet. Vorgängerbauten waren im Markgrafenkrieg verbrannt- und im Dreißigjährigen geplündert worden. Den Saalraum mit der dreiseitigen Holzempore hat man im 19. Jahrhundert seines kostbaren, barocken Hochaltars beraubt und neugotisch ausgestattet.1956 fand sich in einer Privatkapelle bei Bad Aibling wieder ein barocker Ersatz. Ursprünglich für das Zisterzienserkloster Fürstenfeld geschaffen, stellte er die Harmonie in der Döringstadter Martinskirche wieder her.
Nicht übersehen sollte der Besucher das älteste und wertvollste Kleinod der Martinskirche: die gotische, goldgefasste Abendmahlgruppe am rechten Seitenaltar, eine wohl im 15. Jahrhundert in Bamberg entstandene Arbeit voller Würde und Anmut.


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