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Zwölfuhrläuten Untersteinach in Oberfranken

Die Kirchenburg von Untersteinach betritt man durch ein trutziges Torhaus. Die evangelische Wehrkirche St. Oswald erinnert daran, dass mitten durch die 2.000-Einwohner-Gemeinde eine alte Heeresstraße verlief, von der nahe gelegenen Kulmbacher Plassenburg weiter Richtung Hof.

Von: Annerose Zuber

Stand: 16.09.2012 | Archiv

Erstmals erwähnt wurde Untersteinach 1281. Damals, zur Zeit der Kreuzzüge, war die Verehrung des Heiligen Oswald in Europa weit verbreitet.

Englischer Missionar

Nach dem Tod seines Vaters, eines nordenglischen Kleinkönigs, wuchs der junge Oswald im 7. Jahrhundert bei Mönchen auf und ließ sich taufen. Als er selbst  König wurde, galt sein Sieg über Truppen heidnischer Gegner als Wunder. Oswald setzte sich stark für die Missionierung ein und bald nach seinem Tod wurden ihm viele Kirchen geweiht.

Ort des lebendigen Glaubens

Im Untersteinacher Gotteshaus sucht man vergeblich nach einer Oswald-Darstellung. Nun soll das Fenster neben der Kanzel zu Ehren des Kirchenpatrons gestaltet werden. Ansonsten dominiert in der Kirche der auferstandene Christus, sei es am Kanzeldeckel, am Kanzelkorb oder im Zentrum des Holzaltars, auf den die zweistöckige, mit Bibelgeschichten bemalte Empore zuläuft.
Alte und moderne Vortragekreuze neben dem Altar sind Zeugnisse eines lebendigen Glaubens.

Drittes Geläut

Das sehr beeindruckende, mit Blumen und Engeln reich verzierte Kreuzrippen-Gewölbe bot den Untersteinachern auch am 10. August 1706 Zuflucht, als ein Feuer fast das gesamte Dorf zerstörte. Die Kirche hielt stand, allerdings schmolzen die Glocken. Ein weiteres Mal verlor man die Glocken im Zweiten Weltkrieg. So erklingt seit 1951 aus dem Zwiebelkirchturm - in dem sich übrigens Fledermäuse und brütende Turmfalken wohlfühlen - das dritte Geläut. Die vier Glocken sind auf den feierlichen Lob- und Bittgesang "Te Deum" gestimmt. Heute läuten sie zum Beispiel zum Männergottesdienst, der mit dem anschließenden Frühschoppen traditionell im Herbst stattfindet.


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