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Zwölfuhrläuten Schönwald in Oberfranken

Der neubarocke Zwiebelturm der Kirche Mariä Verkündigung begrüßt die Besucher am südlichen Ortseingang von Schönwald. Gegenüber am Nordrand des Fichtelgebirgs-Städtchens zieht die große Porzellanfabrik die Blicke auf sich.

Von: Annerose Zuber

Stand: 30.01.2011 | Archiv

Das Unternehmen ist Weltmarktführer in der Geschirr-Ausstattung von Hotels, Gaststätten, Fluglinien, Kreuzfahrtschiffen und Krankenhäusern. Die Einweihung der Marienkirche 1910 ist eng mit der damals aufstrebenden Porzellanindustrie verbunden.

Katholische Arbeiter, aber keine Kirche

Ende des 19. Jahrhunderts fanden hier viele katholische Arbeiterfamilien aus dem benachbarten Böhmen und der Oberpfalz Lohn und Brot. Eine katholische Kirche aber gab es seit etwa 1530 nicht mehr, da sich die früheren Landesherren - die Markgrafen von Brandenburg - als Wegbereiter der Lehre Luthers verstanden. So blieb auch Schönwald mehr als dreieinhalb Jahrhunderte rein protestantisch. Auch nach dem Zuzug von katholischen Porzellanarbeitern ab 1880 und von Vertriebenen nach dem 2. Weltkrieg lebten und leben die Schönwalder Katholiken immer noch in der Diaspora. Doch wurde die Ökumene hier am nördlichen Rand des Bistums Regensburg von Anfang an groß geschrieben.

Neubarocker Ambo als Blickfang

So hat man die drei Glocken der Marienkirche auf das Geläut des evangelischen Gotteshauses abgestimmt. Die drei Glocken sind Johannes dem Täufer, der Heiligen Barbara sowie dem Heiligen Ignatius geweiht - die Ignatius-Glocke erinnert damit auch an Ignatius von Senestrey, dem Regensburger Bischof zur Bauzeit der Schönwalder Kirche. Das kleine Gotteshaus beeindruckt mit seinem hellen, großzügigen Altarraum. Besonders in den Blick fällt der ungewöhnliche, neubarocke Ambo vor dem Hochaltar. Bis man ihn bei der Öffnung des Altarraums im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils ins Zentrum versetzt hat, stand er als Kanzel an der Kirchenwand.


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