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Zwölfuhrläuten Motschenbach in Oberfranken

Weit klingen die drei Glocken der Maternuskirche von Motschenbach, Gemeinde Mainleus, über eine Talsenke des Frankenjuras bei Kulmbach. Im wuchtigen Turm hängt noch eine vierte Glocke.

Von: Annerose Zuber

Stand: 16.01.2011 | Archiv

Diese vierte Glocke ist allerdings seit Jahrzehnten verstummt. Sie ist dem Kirchenpatron gewidmet.

Einst Wehranlage

Über Maternus, den ersten geschichtlich bezeugten Bischof von Köln, ist wenig bekannt. Da auch Trier und die belgische Stadt Tongern ihn als Bischof beanspruchen, wird der Heilige Maternus stets mit drei Kirchen dargestellt. Dies zeigt eindrucksvoll das große Deckengemälde der Motschenbacher Kirche. Teile des Gotteshauses stammen bereits aus dem 14. Jahrhundert. Ursprünglich gehörte der Glockenturm wohl als Wehrturm zu einer burgähnlichen Anlage für eine fränkische Adelsfamilie. Es gibt Hinweise, dass zwischen der Kirchhof-Mauer und der heutigen Kirche ein Wassergraben gezogen war, den man vor Jahrhunderten zugeschüttet und zum Friedhof des 200-Seelen-Dorfes umgewidmet hat.

"Maria in der Jugend"

An der üppigen Ausstattung des Kirchleins fällt die Vielzahl von Engeln auf. Sie umgeben auch das Gnadenbild "Maria in der Jugend" in der Mitte des Hochaltars. Diese Schnitzarbeit aus dem 15. Jahrhundert gelangte auf eigentümliche Weise nach Motschenbach. Sie stand ursprünglich im Nachbarort Buchau, landete aber auf dem Dachboden, weil die dortige Kirche protestantisch wurde. Als im 19. Jahrhundert ein erkrankter Schneider für sich und seine Familie die Muttergottes um Hilfe anflehte, soll er im Traum angewiesen worden sein, das vergessene Gnadenbild wieder der Verehrung zuzuführen. Und so steht seit seiner Genesung "Maria in der Jugend" in der Maternuskirche von Motschenbach.


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