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Zwölfuhrläuten Marxgrün in Oberfranken

In das Glockengeläut der evangelischen Christuskirche von Marxgrün mischt sich regelmäßig das Pfeifen der Regionalzüge. Denn der Bahnhof des Frankenwalddorfes mit 870 Einwohnern liegt an der Linie Hof-Bad Steben.

Von: Annerose Zuber

Stand: 08.05.2011 | Archiv

Nicht mit der Bahn, sondern per Kutsche, kam Ende des 18. Jahrhunderts Alexander von Humboldt. Vor seiner berühmten Südamerika-Reise lebte der Forscher von 1792 bis 1795 in Bad Steben, um im Auftrag Preußens den Bergbau im Frankenwald mit seinen Eisenerz- und Kupfervorkommen auszuweiten. Dabei erwähnte er auch das "Hammerwerk" in Marxgrün und lobte den achteckigen, knapp neun Meter aufragenden Hochofen, mit dem siebenerlei Nailaer Erze geschmolzen würden.

Schlichte Ausstattung

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Marxgrün 1410, der Name leitet sich vom ersten Besitzer "Markhart von Reitzenstein" ab. Allerdings waren die "von Reitzensteins" nicht die einzigen Herren im Dorf, durch das sich malerisch das Flüsschen Selbitz schlängelt. Denn Marxgrün - heute ein Stadtteil von Naila mit ausgesprochen lebendigem Vereinsleben - war einst aufgeteilt auf die Orte Reitzenstein, Issigau, Naila und Lichtenberg. An diesen mittelalterlichen Herrschaftsgebieten orientierte sich bis in unsere Tage die Pfarreizugehörigkeit. Erst 1939 wurde in Marxgrün eine eigene Kirche gebaut. Mitten im Nationalsozialismus wählte man bewusst Christus als Namensgeber für das schlichte, helle Gotteshaus. Der einzige Schmuck sind ein geschnitzter Flügelaltar mit Szenen der Ostergeschichte und die archaisch anmutenden Holzfiguren der vier Evangelisten.

Frisch renoviert

Zwei der drei Glocken wurden 1942, also nur drei Jahre nach der Weihe beschlagnahmt und für Kriegszwecke eingeschmolzen. Doch seit 1956 erschallt im Turm mit der wuchtigen Haube das Geläute der Marxgrüner Christuskirche wieder vollständig. Die Renovierung des Kirchengemeindehauses wurde vor kurzem mit dem Erlös aus der 600-Jahr-Feier des Dorfs finanziert.


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