BR Heimat


25

Zwölfuhrläuten Bad Rodach in Oberfranken

Bad Rodach, hart an der Grenze zu Thüringen, mitten im Herzen Deutschlands gelegen, wurde erstmals 899 urkundlich erwähnt, bekam 1362 das Stadtrecht verliehen und ist seit 1999 als Heilbad mit der wärmsten Thermalquelle Nordbayerns anerkannt.

Von: Georg Impler

Stand: 17.02.2008 | Archiv

So ein geschichtlicher Zeitraffer lässt leider wenig Platz für das wechselvolle Schicksal des beschaulichen Städtchens, den Konfessionswandel in der Reformationszeit oder die Hungersnot und Verheerung im Dreißigjährigen Krieg.

Per Volksentscheid zu Bayern

Bei einem Volksentscheid entscheiden sich fast neunzig Prozent der Bürger für einen Anschluss des Freistaats Coburg und damit auch Rodachs an Bayern. Nach dem Zweiten Weltkrieg liegt Bad Rodach im Zonenrandgebiet und erlebt die Brutalität der Zonengrenze zur DDR hautnah. 1989, nach vierzig Jahre deutsch-deutscher Teilung erscheint es fast wie ein Wunder, als die Grenze fällt. Nach der Grenzöffnung kommen die DDR-Bürger freudestrahlend im Trabbi und in Scharen. Die Einheimischen sagen: Wie das war, kann sich keiner vorstellen, der es nicht erlebt hat. Inzwischen ist die Beschaulichkeit nach Bad Rodach zurückgekehrt und ganz besonders im parkähnlichen Umfeld der katholische Pfarrkirche St. Marien zu spüren.

Goldene Schwingen

Betont schlicht im Äußeren überrascht das Gotteshaus den Besucher mit seinem hohen, trapezförmig zum Altar strebenden Innenraum, vor allem aber mit dem riesigen, Licht durchfluteten, den Chorwandschluss bildenden Glasfenster. Drei goldene Schwingen auf blaugrauem Grund symbolisieren den Dreifaltigen Gott und das Hereinstrahlen seiner Gnade in die endliche Zeit. Vielleicht hat der Coburger Glaskünstler Hugo Hußla an die diaphane Struktur gotischer Kathedralen gedacht und wollte wie diese den Gläubigen eine Ahnung von der Schönheit und Stimmigkeit des Reiches Gottes vermitteln.

Vor fünfzig Jahren, als die Rodacher Marienkirche eingeweiht wurde, galt sie als schönster moderner Kirchenbau Frankens. Im dreiunddreißig Meter hohen, freistehenden Glockenturm läuten drei Glocken, die 1962 bei Perner in Passau gegossen wurden.


25