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Zwölfuhrläuten Reichling in Oberbayern

Vom Wurzberg, einem Moränenhügel über dem Steilufer des Lech, schweift der Blick vom Allgäu über die Zugspitze bis zu den Salzburger Bergen. Vielfältige Einflüsse haben den Lechrain geprägt: Baiern und Schwaben treffen hier aufeinander wie zuvor Römer und Kelten.

Von: Marianne Bitsch

Stand: 08.11.2015 | Archiv

Hier kreuzten sich römische Fernstraßen: die Via Claudia auf der anderen Lechseite und auf Reichlinger Gebiet eine Ost-West-Verbindung von Salzburg nach Bregenz.

Einst alemannische Siedlung

Das nahe Epfach, das wie Reichling zur Pfarreiengemeinschaft Lechrain gehört, war römisches Militärlager. Im 8. Jahrhundert soll Bischofs Wikterp von hier aus den Hl. Magnus ins Allgäu gesandt haben. Damals bestand vermutlich schon die alemannische Siedlung "Richilinga", die aber erst 1080 urkundlich erwähnt wird.

Nikolausglocke aus dem 16. Jahrhundert

Die Bedeutung des Lech zeigt das Patrozinium der Pfarrkirche: Nikolaus von Myra ist Patron der Flösser, die die gefährliche Lechschleife meistern mussten. Seit 1435 wird auch der Hl. Leonhard verehrt: die Leonhardifahrt ist das größte Fest im Dorf.
Die spätbarocke Pfarrkirche beherrscht das Ortsbild. Der gedrungene Turm stammt im Kern noch aus dem 14. Jahrhundert. Franz Anton Kirchgraber, ein Schüler des berühmten Barockbaumeisters Johann Michael Fischer erbaute 1780 das Gotteshaus. Das helle Kirchenschiff mit dem breiten Querhaus und einem querovalen Deckenfresko wirkt wie ein Zentralraum. Die Altarengel, die weiß goldene Kanzel und die Michaelsfigur am Leonhardsaltar zeigen die Eleganz des späten Rokoko.
Im fünfstimmigen Geläut erklingt die Nikolausglocke von 1558. Sie musste mit den anderen Glocken im 2. Weltkrieg abgeliefert werden, konnte aber 1947 im Triumphzug zurückkehren.


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