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Zwölfuhrläuten Leeder in Oberbayern

Leeder mit Doppel-E! Ein ungewöhnlicher Name für diesen Ortsteil der Gemeinde Fuchstal. Und tatsächlich geht er auf flämische Auswanderer zurück, die hier im 12. Jahrhundert siedelten.

Von: Regina Fanderl

Stand: 21.08.2016 | Archiv

Eine "Lede" war bei ihnen ein künstlicher Wasserlauf, in diesem Fall der Schmiedbach, den sie durch das Dorf leiteten. Eine weitere Besonderheit sind die weitum bekannten Leedrer Märkte. Sie gehen zurück bis ins 16. Jahrhundert. Bis heute ist Leeder berechtigt, jährlich zwei Krämermärkte abzuhalten. Im Frühjahr und im Herbst.

Altarbilder vom "Lechhansl"

Durchaus bemerkenswert ist aber auch die erhöht gelegene Pfarrkirche Mariä Verkündigung. Der massive, unverputzte Backsteinturm mit dem Satteldach stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert, das Kirchenschiff ist 200 Jahre jünger. Vielleicht hat für sein barockes Gewand das Geld nicht mehr gereicht? Im Inneren wird stolz darauf verwiesen, dass die reichen Stuckaturen aus einer Wessobrunner Werkstatt stammen. Und kein geringerer als Johann Baptist Baader, in der Region auch "der Lechhansl" genannt, malte die Altarbilder "Mariä Verkündigung", "Heilige Anna, Maria Lesen lehrend" und "St. Joseph als Sterbepatron". Ein Augenfang sind auch die "Gesims- Engel", die Putti oder die Bistumsheiligen "St. Ulrich und St. Afra".

Westminster – Stundenschlag

Ein wahrer Hinhörer ist das sechsstimmige Leedrer Geläut! Zumal erst kürzlich der langsam vor sich hin rostende, stählerne Glockenstuhl durch einen hölzernen ersetzt wurde. Die Glocken klingen dadurch viel voller und samtiger. Beim Westminster – Stundenschlag genauso schön wie beim seit Jahrhunderten üblichen Tagläuten an allen hohen Feiertagen. Zur großen Freude vor allem jener Leedrer, die davon wissen, unter welchen finanziellen Opfern sie nach dem Krieg in der Gießerei Gebhard in Kempten bestellt werden konnten.


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