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Zwölfuhrläuten Hohenlinden in Oberbayern

Wenn ein Gemeindewappen zwei gekreuzte Schwerter zeigt, in diesem Fall unter der grünenden Linde, dann deutet das meistens auf ein historisches Kriegsereignis von europäischer Bedeutung. Und das war sie wahrlich, die Schlacht bei Hohenlinden im Schneegestöber des 3. Dezember 1800.

Von: Georg Impler

Stand: 01.12.2013 | Archiv

Dem 100.000 Mann starken, napoleonischen Heer standen die 120.000 Soldaten der österreichisch-bayerischen Koalitionstruppen gegenüber, von denen 8.000 fielen. Danach war Napoleons Marsch auf Wien nicht mehr aufzuhalten und der Österreichische Kaiser musste den Frieden von Luneville unterschreiben. Es folgten: die Auflösung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation, die Säkularisation und die Erhebung Bayerns zum Königreich.

Nur Leerhäusler und Kleingütler

Die katholische Pfarrkirche St. Josef gab es damals und auch die folgenden 100 Jahre noch nicht. Sie wurde erst 1903 eingeweiht. Da das Vorgängerkirchlein mit 142 Plätzen, wie die Bittschrift an den Münchner Erzbischof vermerkt, nicht mehr zuließ, "dass alle Pfarrkinder ihre sonn- und festtäglichen Pflichten erfüllen" können, bedurfte es dieses Neubaus. Wie den aber finanzieren? Gab es doch, wie die Chronik beklagt, in der armen Gemeinde einen Bauern und sonst nur "Leerhäusler und Kleingütler".

Gesamtkunstwerk der Neugotik

Da traf es sich, dass der Nonnenraupenbefall im Eberberger Forst das Bauholz billig machte und die Kirchenbaulotterie erfolgreich war. Zudem hatte eine "besondere Fügung" den  Hauptgewinn von 25.000 Mark auf die Pfarrei fallen lassen. Vor allem aber war es der "opferwilligen" Mithilfe der Pfarrkinder zu danken, dass Hohenlinden ein Gotteshaus bekam, das heute als Gesamtkunstwerk der Neugotik gilt. Besonders zeichnen sie die qualitätvollen Schnitzaltäre und Fensterglasgemälde aus.

Im siebzig Meter hohen Spitzturm läuten fünf Nachkriegsglocken.


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