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Zwölfuhrläuten Dießen am Ammersee

Nur von innen fällt dem Besucher auf, dass der Dießener Stiftskirchenturm eine Rekonstruktion sein muss. Das Original von Johann Michael Fischer, dem Architekten des prachtvollen, ab 1720 erbauten Münsters Mariä Himmelfahrt, wurde 1827 durch Blitzschlag zerstört, dann provisorisch instandgesetzt und vor rund 30 Jahren von dem Münchner Architekten Richard Zehentmeier rekonstruiert - in Beton.

Von: Georg Impler

Stand: 06.01.2015 | Archiv

Das damals dank einer großzügigen Privatspende auf acht Glocken erweiterte und um elf Tonnen schwerer gewordene Geläute hätte sonst kaum die baulastrechtliche Bewilligung erhalten.

"Dießener Himmel"

Im Hochmittelalter zählte die Familie der Grafen von Dießen und Andechs mit ihren Besitzungen vom Obermain bis Istrien zu den bedeutendsten bayerischen Adelsgeschlechtern. Graf Bertold IV. stiftete um 1125 am südwestlichen Hochufer des Ammersees, wo schon seit dem 3. Jahrhundert eine römische Fernstraße vorbeiführte, ein Doppelkloster. Der Frauenkonvent erlosch im 14. Jahrhundert, das Augustinerchorherrenstift aber wurde zum geistlichen Zentrum im Pfaffenwinkel und erlebte nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs jene Blütezeit, die den vielgerühmten "Dießener Himmel" hervorbrachte.

Vollkommene Schöpfung des Bayerischen Rokoko

Künstler wie Fischer und Cuvilliés, Bergmüller, Feichtmayr, Straub oder Tiepolo, arbeiteten Hand in Hand und schufen eine der vollkommensten Schöpfungen des Bayerischen Rokoko. Sie kann nicht beschrieben, sondern muss in der persönlichen Schau erlebt werden. Die Glocken aber hören wir, als ob wir vor der Pilaster gegliederten Münsterfassade stünden und etwas rechts über die kapriziösen Vasenaufsätze hinaufblickten zu ihrer Stube, aus der es schallt  wie vor der Säkularisation und vor dem Turmbrand, kurz wie zu jenen Zeiten, als "die Klöster im Pfaffenwinkel wie eine Postenkette ausgebreitet lagen, fast in Schallweite ihrer Glocken..."


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