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Zwölfuhrläuten Au bei Aibling in Oberbayern

Bei einer Friedhofsunterhaltung hat es eine Bäuerin auf den Punkt gebracht: "Ohne Pfarrkirch‘ lebt sich das ganze Dorf auseinander“. Seit eineinhalb Jahren gab es in St. Martin in Au bei Aibling keinen Gottesdienst mehr, keinen Stundenschlag, kein Glockenläuten.

Von: Georg Impler

Stand: 20.05.2018 | Archiv

Was selbstverständlich scheint, wird einem manchmal erst bewusst, wenn es nicht mehr da ist. Und weil es so ein stattliches Gotteshaus ist mit einem mehr als sechzig Meter hohen Spitzturm und sechsstimmigen Geläut, hat auch die Generalsanierung ihre Zeit gebraucht.

Pilgerscharen machten Neubau notwendig

Ihre Größe verdankt die Kirche der Erzbruderschaft Maria vom Trost, einer Gebets-, Trost- und Hilfsgemeinschaft, zu der sich in der Not nach dem Dreißigjährigen und dem Bayerischen Erbfolgekrieg viele Gläubige zusammenschlossen. Sie wurde 1706 in Au gegründet, wo seit 1458 die selbstständige Pfarrei Au vorm Gebirg nachgewiesen ist. Sie erfuhr einen so raschen Aufschwung, dass schon dreizehn Jahre später wegen der Pilgerscharen ein Kirchenneubau notwendig wurde.

Großzügiger und lichter Barockbau

Laut Dehio geschah dies nach den Plänen des einheimischen Barockarchitekten Wolfgang Dientzenhofer, des zweitgeborenen der berühmten fünf Baumeisterbrüder, denen wir Kunstwerke wie den Fuldaer Dom, Kloster Banz, die neue Residenz in Bamberg oder Schloss Pommersfelden verdanken. Wolfgang Dientzenhofer, der 1648 in der gotischen Auer Vorgängerkirche die Taufe empfangen hatte, war jedoch 1719, bei Beginn des Neubaus, schon lange tot. Darum gilt inzwischen der gleichnamige Aiblinger Stadtbaumeister als geistiger Schöpfer des großzügigen und lichten Barockbaus, dessen Schönheit nun wieder in ganz neuem Licht erstrahlt und jeden überrascht, der ihn zum ersten Mal betritt.


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