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Zwölfuhrläuten Ramsau in Oberbayern

Vor der prachtvollen Kulisse der Reiter Alm ragt ihr Doppelzwiebelturm in's Blau, die Gletscherwasser der Ache schäumen zu Tal und über dem malerischen Friedhof ziehen Bergwiesen zu den Felsen hinauf: Sie gehört zu den Ikonen Bayerns, die Ramsauer Pfarrkirche St. Sebastian, das steht fest.

Von: Georg Impler

Stand: 30.09.2012 | Archiv

Nicht fest steht aber, wovon sich der Name des 1.800 Einwohner-Dorfes ableitet. Sind es tatsächlich die Raben oder doch eher das von den Gebirgsbächen angeschwemmte, früher "rams" genannte Geröll?

Besiedlung wegen Salzhandels

Die Besiedlung jedenfalls des Talgrundes zwischen Watzmann, Hochkalter und Toten Mann begann um die Wende zum 13. Jahrhundert wahrscheinlich durch Salzsäumer. Sie verfrachteten das weiße Gold von Berchtesgaden über den Hirschbichlpass in den Pinzgau, kamen mit Kühen, Kälbern oder Wein zurück und wählten hier ihren Rastplatz.

Anrührende Raumharmonie

Der Berchtesgadener Stiftspropst  sorgte zuerst für eine Taverne und ließ vor genau 500 Jahren die Kirche bauen. Weil sie keiner Beschreibung  bedarf - sogar der US-Präsident Eisenhower hat sie gemalt und als Weihnachtskarte reproduzieren lassen - sei das Augenmerk auf ihr Inneres gerichtet. Da bildet der goldbraune Holzton der Bänke mit dem weiß-rosa Kreuzgratgewölbe, dem Rotmarmorfußboden, dem klaren Licht der Rundbogenfenster und vor allem mit den in Gold, Silber und Myrthengrün schimmernden, spätbarocken Altären eine geradezu anrührende Raumharmonie.

Apostelfiguren aus dem 15. Jahrhundert

Das Hochaltarblatt zeigt den von Pfeilen durchbohrten Märtyrer Sebastian als Kirchenpatron, der rechte Seitenaltar den heiligen Vinzenz als Patron der Gemeinde. Kunsthistorisch herausragend sind die spätgotischen Apostelfiguren an der Emporenbrüstung. Sie wurden um 1425 möglicherweise in einer Salzburger Werkstatt geschnitzt.
Die vier Glocken sind nach dem "Salve- Regina-Motiv" gestimmt und wurden nach dem Krieg in Erding gegossen.


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