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Zwölfuhrläuten Ingolstadt in Oberbayern

Zu alter Zeit ist es nicht selten vorgekommen, dass der Kirchenheilige nach Wunsch der Geldgeber ausgewählt wurde. Kaufherren oder Schiffsleute zum Beispiel stifteten oft Nikolauskirchen, und die Zeidlerzünfte etwa bestanden auf dem Patron der Imker, dem heiligen Ambrosius.

Von: Georg Impler

Stand: 09.01.2011 | Archiv

Im Falle der Pfarrkirche St. Augustin war es ein Korbinian Augustin, der 1951 ein Tagwerk des Bauplatzes für die neue Kirche an der Pettenkoferstraße am Südostrand Ingolstadts stiftete.

Campanile als Farbakzent

1953 entstand zuerst ein provisorischer Kindergarten, vier Jahre später rief der Eichstätter Bischof die neue Pfarrgemeinde St. Augustin in's Leben und im April 1959 legte man den Grundstein zum neuen Gotteshaus. Noch im selben Jahr folgte die Weihe und seit 1961 schallt das fünfstimmige Geläute aus dem mächtigen, freistehenden Campanile, der sich mit seinen roten Ziegeln farblich so deutlich absetzt vom elliptisch durchfensterten Betongrau der Kirchenwände. Die Architektur griff hier nicht das Motiv des Kirchenschiffs auf sondern das des Zeltes. Besonders deutlich machen dies die vier rautenförmigen Dachflächen, die dem großen, griechischen Kreuz auf der Zeltspitze zustreben. Da St. Augustin auch als Garnisonskirche der Ingolstädter Pioniere dienen sollte, bot sich das Zeltmotiv nicht nur aus Sicht der nachkonziliaren Theologie vom pilgernden Gottesvolk an, es sollte auch an die in der Fremde biwakierenden Soldaten erinnern.

Mystisches Farbspiel lädt zur Ruhe ein

Eingebettet in das beruhigende Grün von Sträuchern und Rasen bildet das Gotteshaus zusammen mit Pfarrheim und Pfarrhaus eine Oase der Ruhe inmitten des städtischen Verkehrsgewirrs. Im Kircheninneren aber wird im beinahe mystischen Farbenspiel der vielen Mauerglasscheiben und des überdimensionalen Dreifaltigkeitsfensters das Wort Romano Guardinis erfahrbar, das wohl die Gesamtkonzeption dieser Kirche trug: Geborgenheit und Heimat zu finden auf der Reise zum Ewigen zu Hause.


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