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Zwölfuhrläuten Bad Tölz in Oberbayern

Tölz ist nicht nur bekannt durch Kriminalschnurren oder seinen Schützenmarsch. Der Name der knapp 18.000 Einwohner zählenden Kreisstadt steht auch für die Leonhardifahrt und den Knabenchor, die weit über die Grenzen Bayerns hinaus gerühmt werden.

Von: Georg Impler

Stand: 01.01.2012 | Archiv

Die Tölzer Marktstrasse mit ihren prächtigen Patrizierhäusern kann man nur hinreißend nennen. Ob im Laubgrün und Weiß der Bäume und Sonnenschirme, ob im adventlichen Lichterglanz oder wenn am Leonhardstag die Rösser und eisenbereiften Truhenwagen Funken stiebend von der Isarbrücke heraufdonnern, manifestiert sich hier altbayerische Kultur festlich-fröhlicher und zugleich malerischster Art.

Goldener Ritter

Der berühmteste Sohn der Stadt hat am oberen Ende des Markts sein Denk- und in der katholischen Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt sein Grabmal: Kaspar Winzerer, der "goldene Ritter" und Pfleger zu Tölz, der für Kaiser Karl V. 1525 bei Pavia den französischen König gefangen nahm. Sein Epithaph am Eingang der linken Chorkapelle zählt zu den bedeutendsten Grabmonumenten Bayerns.

Kostbare Madonna im Strahlenkranz

Das spätmittelalterliche Gotteshaus steht etwas zurückgesetzt südlich der mittleren Marktstraße am Platz einer 1262 erwähnten Burgkapelle und wurde nach dem verheerenden Stadtbrand von 1453 als dreischiffige Hallenkirche errichtet. Die majestätische Madonna im Strahlenkranz - unter dem Chorbogen frei schwebend angebracht - wurde von einem Weilheimer Meister um 1611 für den Hochaltar geschnitzt. Als Kirchenpatronin hat sie die Regotisierung im 19. Jahrhundert schadlos überstanden und zählt heute zum Kostbarsten der Ausstattung.

Ausdruck eleganter Neugotik

Was aber nicht heißen soll, dass die Gold schimmernde, elegante Neogotik der Tölzer Stadtpfarrkirchenaltäre nicht beeindruckend wäre. Zum frisch renovierten Weiß der Säulen und Chorwände, wie des Langhausnetzgewölbes setzen sie den feierlichen Kontrapunkt. Im 1877 fertig gestellten, neugotischen Turm läuten sechs, zwischen 1704 und 1948 gegossene Glocken.


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