BR Heimat


16

Zwölfuhrläuten Waldkirchen in Niederbayern

Die katholische Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul verdankt ihre Größe und damit ihren landläufigen Ehrennahmen "Dom des Bayerischen Waldes" dem "Goldenen Steig". Dieser einstmals wichtigste Saumhandelsweg Süddeutschlands führte von Bayern nach Böhmen.

Von: Georg Impler

Stand: 26.06.2005 | Archiv

Zu den besten Zeiten im 15. und 16. Jahrhundert sollen in der Woche bis zu 1.200 Saumpferde gezählt worden sein, die vor allem Salz hinüber und Korn herüber transportierten. Waldkirchen lag auf halber Strecke zwischen Passau und Wallern, dem jetzt tschechischen Volary. Hier konnten Mensch und Tier gut übernachten.

Wohlstand am Kirchenbau sichtbar

Das brachte Investitionen und Wohlstand in das um das Jahr 1000 gegründete Waldkirchen. Bereits im 13. Jahrhundert erhielt die Gemeinde das Marktrecht. Seit 1470 war sie mit einer starken Ringmauer befestigt, die zum Teil heute noch steht. Wachstum und Wohlstand der Gemeinde zeigen sich auch in der Vergrößerung der Kirche: Im 16. Jahrhundert errichtete man an der Stelle des romanischen Vorgängerbaus eine mächtige dreischiffige, spätgotische Kirche. Weil auch sie zu klein wurde, bauten die wohlhabenden Waldkirchner Mitte des 19. Jahrhunderts das heutige neugotische Gotteshaus mit rund 1.000 Sitzplätzen.

Festsaal Gottes

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche durch amerikanischen Artilleriebeschuss stark beschädigt. Nach dem Krieg wurde sie aber wieder aufgebaut und 1988 grundlegend renoviert, so dass die Waldkirchner Pfarrkirche heute als ein beeindruckender Festsaal Gottes erstrahlt.

Erst 1972 zur Stadt erhoben

Die mit mehr als 10.000 Einwohnern größte Kommune im Landkreis Freyung-Grafenau wurde trotz ihrer Jahrhunderte langen wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung für den südöstlichen Bayerischen Wald und trotz ihres städtischen Gepräges erst 1972 durch das bayerische Innenministerium zur Stadt erhoben. Das lag auch an den Passauer Fürstbischöfen: In ihrem Herrschaftsbereich wollten sie keine zweite Stadt dulden.


16