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Zwölfuhrläuten Nürnberg-Kraftshof in Mittelfranken

Im Norden der ehemaligen Reichstadt, inmitten der Felder des Knoblauchslandes, liegt das rund 700 Einwohner zählende Kraftshof. Besuchern der evangelischen Pfarrkirche St. Georg muss Luthers Kirchenlied von der festen Burg in den Sinn kommen.

Von: Wolfgang Näßer

Stand: 26.04.2015 | Archiv

Bis zu acht Meter hoch erhebt sich eine Wehrmauer mit begehbaren Wehrgängen und Ecktürmen um den Kirchhof und lässt dahinter eher einen mittelalterlichen Rittersitz als ein Gotteshaus vermuten.

Vollständige Rekonstruktion nach dem Krieg

Vor genau 700 Jahren wurde die von der Patrizierfamilie Kreß von Kressenstein erbaute Georgskirche geweiht. Später zur Kirchenburg ausgebaut, bot sie über Jahrhunderte Zuflucht. Unbeschadet überstand sie Markgrafenkriege und den 30jährigen Krieg, um nach einem nächtlichen Luftangriff im Jahr 1943 ein Opfer der Flammen zu werden. Von der Kirche selbst blieben nur Schutt und Asche, während die Wehrmauer nahezu vollständig stehen blieb.
Nach Kriegsende entschloss sich die Kirchengemeinde zu einer vollständigen Rekonstruktion der Georgskirche. Die großzügige Unterstützung von in die USA ausgewanderten Nachfahren der Kirchenerbauer machte den Kraftakt möglich und 1952 konnten die Kraftshofer wieder Gottesdienst in ihrer neuen Georgskirche feiern.

Spätgotischer Georgsaltar erhalten

Heute wird das Kircheninnere geprägt durch Grabmäler der Stifterfamilie Kreß und einige gerettete Kunstgegenständen, wie eine Marienfigur oder der hölzerne Deckel des Taufsteins.
Im Mittelpunkt steht jedoch der spätgotische Georgsaltar aus den Anfangsjahren der Kirche. Im 17. Jahrhundert durch einen Barockaltar ersetzt, hatte man ihn in die Gruftkapelle in einem der Mauertürme verbracht. Dort überstand er Kriegswirren und Zerstörung.

Ebenfalls erhalten geblieben ist eine Glocke von 1564. Mit drei neuen, nach dem Wiederaufbau gegossenen Bronzeglocken, ruft das wie einst vierstimmige Geläut die Gläubigen in Kraftshof zum Gebet.


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