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Zwölfuhrläuten Schopfloch in Mittelfranken

Wer auf der Romantischen Straße - bei Würzburg beginnend - über Tauberbischofsheim, Creglingen und Rothenburg weiter Richtung Süden reist, der erreicht bei Kilometer 136 den Markt Schopfloch und befindet sich damit hart an der Grenze zu Baden-Württemberg.

Von: Georg Impler

Stand: 06.11.2011 | Archiv

Wenn der am Talhang zur Wörnitz hingelagerte, knapp 3.000 Einwohner zählende Ort im Landkreis Ansbach auch nicht beansprucht, zu den Perlen zwischen Main und Alpen gerechnet zu werden, etwas zeichnet ihn vor allen anderen aus: Man hat in diesem Handwerkerdorf schon aus der Not heraus immer zusammengehalten und man spricht Lachoudisch, die Schopflochische Geheimsprache, die vor allem von der älteren Generation noch gepflegt wird.

Eigene Sprache

Lachoudisch, die Mischung aus Hebräisch, Rotwelsch und Altfränkisch, wird zurückgeführt auf den Jahrhunderte lang hohen Anteil jüdischer Bevölkerung - nicht umsonst gibt es hier einen der größten Judenfriedhöfe Süddeutschlands - und auf die aus Salzburg eingewanderten Protestanten, darunter viele Maurer, die ihre eigenen Wortschöpfungen mitbrachten. Ein Außenstehender versteht übrigens kein Wort davon.

Altarbild zeigt Lebensalter

Die evangelische Pfarrkirche St. Martin hat ihren Platz etwa in der Mitte des Straßendorfes und birgt unter der achteckigen, Ziegel gedeckten Spitzhaube fünf Glocken, vier davon wurden erst 2004 angeschafft und haben die alten Stahlgussglocken ersetzt. Das Innere des Gotteshauses ist geprägt von der graugrün gefassten, umlaufenden Empore und dem naturalistisch gemalten Altarbild. Es zeigt Christus am Kreuz, umstanden von den Menschen in ihren verschiedenen Lebensaltern - vom Kleinkind bis zum Greis. Der Altar - er wurde 1936 von einheimischen Maurern aus Ziegeln aufgeführt - verfügt über eine Art Predella in Form dreier, aufeinandergesetzter Eichenbalken. In tief eingeschnittener, Rot gefasster Schrift steht darauf das Vaterunser-Gebet geschrieben.


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