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"4 Blocks"-Darsteller Hassan Akkouch über den Weg vom Flüchtling zum Serienstar

Hassan Akkouch hat eine einzigartige Laufbahn: Nach Deutschland geflohen mit zwei Jahren, unrechtmäßig in den Libanon abgeschoben mit 14, nach sechs Wochen wieder zurückgekommen und Schauspieler geworden. Im Interview spricht der "4 Blocks"-Darsteller über seinen Werdegang und seine Rollen.

Von: Malcolm Ohanwe

Stand: 09.11.2018

Hassan Akkouch in 4 Blocks | Bild: Turner Network Television

Als breakdancender Star der legendären Brennpunkt-Doku „Neukölln Unlimited“ wurde Hassan Akkouch bekannt. Danach folgte die Schauspielschule in München, viele Rollen in Krimis und jetzt eine in der zweiten Staffel von "4 Blocks", der heiß diskutierten deutschen Serie auf TNT Serie. Malcolm Ohanwe hat den Schauspieler während einer seiner Theater-Proben in den Münchener Kammerspielen getroffen, wo er aktuell im Stück "Selbstmord-Schwestern" mitwirkt. 

In "4 Blocks" spielst du den eigentlich ganz liebenswerten Drogendealer Ma'rouf. Abgesehen von den Drogen, steckt viel von dir in diesem Charakter?

Ma'rouf ist natürlich ganz nah an mir dran. Ich meine, diese Figur rappt, macht Musik und ist dazu noch Libanese. Ich habe mich gar nicht so viel an die Figur heran gearbeitet, ich habe das eher so gesehen, "Ich bin jetzt Hassan Akouch, bloß in anderen Umständen, mit anderen Rahmenbedingungen".

Du musstest mit 14 von Deutschland zurück in den Libanon. Nach sechs Wochen konntest du wieder zurückkommen. Was war das für eine Zeit?

Ich bin im Libanon geboren und als ich ungefähr zwei Jahre alt war, kamen meine Eltern mit meiner Schwester und mir nach Deutschland. Schon immer haben wir in Berlin gelebt. Meine ganze Kindheit und Jugend waren wir irgendwie geduldet werden, wir hatten keinen Aufenthaltsstatus, wir hatten sehr lange Berlin nicht verlassen. Und dann nach zwölf Jahren, also als ich fast 14 Jahre alt war, wurden wir plötzlich abgeschoben. Wir wurden darauf auch nicht vorbereitet, ganz plötzlich an einem Geburtstag von meinem kleinen Bruder kamen sie und haben uns mitgenommen.

Man realisiert das erst mal gar nicht. Man kommt dann im Libanon an, man ist total verängstigt, man kennt nichts und man hat kein Zuhause. Dann lebt man bei Verwandten. Die wissen auch nicht, wie sie damit umgehen sollen, dass die Verwandten aus Deutschland, die die ja so angeblich viel Geld haben, jetzt im Libanon sind und kaum Geld haben und keine Wohnung. Nach sechs Wochen haben wir uns dann auf den Weg zurück gemacht und haben es Gott sei Dank geschafft. Man muss auch dazu sagen, dass die Abschiebung eine illegale Abschiebung war von dem Innensenator Ehrhart Körting von der SPD.

Und irgendwann kam dann ein Regisseur und hat gesagt, er würde gern einen Film über uns machen, über diese Geschichte. Ich habe damals mit meiner Mutter gesprochen, aber sie hat gar nicht richtig zugehört. Ich hatte schon viele Reportagen und Dokus gemacht, für KiKa, und die waren immer so ein, zwei Tage da und da waren sie wieder weg. Das kannte meine Mutter auch. Und die kamen am ersten Tag zu uns, haben uns gefilmt und haben uns dann insgesamt drei Jahre begleitet! Dann kam der Kinofilm raus, hat auf der Berlinale den Gläsernen Bären gewonnen. Und irgendwann habe ich überlegt, was ich machen möchte mit meinem Leben. Meine Mutter hat gesagt, "wie wär's mit Schauspiel"?

Das heißt, du hattest nie diesen klassischen Einwanderer-Druck, Doktor oder Anwalt zu werden?

Von der Seite meiner Mutter nicht. Mein Vater hat mir gesagt: "Jemand, der Pilot werden kann, wird Schauspieler? Ach komm, hau ab." Auf Arabisch klingt das ein bisschen lockerer, nicht so hart. Aber er hatte schon angefangen, meinen Verwandten im Libanon zu erzählen: "Ich lasse jetzt Hassan Pilot werden". Mein Cousin fragte mich dann irgendwann am Telefon: "Und wie laufen die Flugstunden?" Hallo, ich werde Schauspieler!

Wann haben deine Eltern denn damit angefangen, damit hausieren zu gehen, dass du Schauspieler bist?

Relativ schnell habe ich davon gelebt, ich habe gleich in einem Jahr vier Tatorte gedreht. Meine erste Rolle war "Verbrechen nach Ferdinand von Schirach" mit Josef Bierbichler. Und da haben meine Eltern Anrufe zu Hause bekommen: "Ist das nicht dein Sohn?". Und plötzlich war das gar kein Problem mehr. Mein Vater hat eine Shisha-Bar gehabt. Und wenn abends der Tatort lief, meinte er immer: "Da läuft er wieder, da!".

"Da läuft er" ist ein gutes Stichwort. Du hast in einem Interview gesagt, egal welche Rolle spielst, irgendwann musst du irgendwo wegrennen. Nervt es nicht, ständig solche Klischee-Rollen zu bekommen?

Ich denke mir schon, Alter, warum stellt er sich nicht? Das stört mich schon. Ich habe das am Anfang einfach so genommen, weil ich überleben musste in München, dass ich diese Kriminellen spiele. Ich habe damals gesagt: Wenn ich Kriminelle spiele, dann muss es der Kriminelle sein, also nicht dieser Kleinkriminelle, der nichts zu sagen hat. Und jetzt mittlerweile kommen auch Angebote als Kommissar.


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