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Mehr als nur Spielzeug Der Rubik-Würfel - eine Ikone

Wer kann sich ein 80er-Jahre-Kinderzimmer ohne Rubik-Würfel vorstellen? Noch heute, 40 Jahre nach seiner Patentierung, ist das Spielzeug sehr gefragt - zum Beispiel bei Wettbewerben. Eine Würdigung.

Von: Florian Falzeder   

Stand: 28.10.2016

Rubik-Würfel | Bild: picture-alliance/dpa

"Das ist ein sogenannter Speedcube. Immer in seiner schönen Verpackung, immer schön geschützt und überall dabei."

Speedcuber Lasse Korbanka

Seit sieben Jahren ist das bunte Würfel-Puzzle sein ständiger Begleiter. Der 23-Jährige hat Wettkämpfe gespielt, auch mal den ein oder anderen deutschen Rekord aufgestellt.

"Ich habe mir, als ich angefangen habe, nie erträumen lassen, irgendwann mal unter zehn Sekunden zu kommen. Jetzt liegt der Weltrekord bei unter fünf. Das ist Wahnsinn."

Lasse Korbanka

Ein Spielzeug, das zum Kassenschlager wurde

Aus den Wettkämpfen hat sich der Student mittlerweile zurückgezogen. Heute ist der Zauberwürfel für ihn das, als was seine Erfinder Ernö Rubik ihn ursprünglich entwickelt hat: ein Spielzeug. Aber was heißt das eigentlich – ein Spielzeug?

"Spielzeuge führen Kinder, Jugendliche, eigentlich alle Menschen, auf spielerische, auf spannende Art und Weise, in die Welt der Natur, der Technik, aber auch in die Welt der kognitiven Weiterentwicklung ein."

Prof. Wolfgang Heckl, Generaldirektor Deutsches Museum

Heckl kennt Ernö Rubik seit Jahren, sie sitzen gemeinsam in der Jury des Europäischen Erfinderpreises. Heckl als Chef des Deutschen Museums, Rubik als Erfinder eines der meistverkauften Spielzeuge aller Zeiten. Dabei hatte der Ungar Rubik gar keinen Kassenschlager im Sinn, als er vor 40 Jahren das Patent zu seinem Würfel anmeldete.

Prof. Ernö Rubik (Archivbild von 1989)

"Er hat eigentlich als Professor für Architektur, Design, Gestaltung seinen Studenten erfinden wollen, an die Hand geben wollen, um die dreidimensionale Welt des Konstruierens, des Designens, sozusagen zu üben, besser zu verstehen."

Prof. Wolfgang Heckl

"Und es fördert extrem das räumliche Vorstellungsvermögen. Also bei verschiedenen IQ-Tests in der Schule war dann auch räumliches Vorstellungsvermögen eigentlich immer volle Punktzahl."

Speedcuber Lasse Korbanka

Ikonografisch wie ein Beatles-Song

Rubiks Würfel kam gut an. Ende der 70er, Anfang der 80er gab es kaum ein Kinderzimmer auf der Welt, in dem das bunte Ding nicht irgendwo rumlag. Und bis heute wird der Würfel wie wild verkauft.

"Das Besondere daran ist, dass jeder sofort was damit anfangen kann und auch ihn, sage mal, bespielen kann. Weil’s ja eigentlich ein Spielzeug ist."

Lasse Korbanka

Innerhalb der letzten 40 Jahren wurde der Würfel aber noch zu mehr: zu einer Ikone. Der Zauberwürfel ist Teil unserer Kultur geworden, erklärt Wolfgang Heckl.

Eine Ikone

"Das ist wie mit einem Song, einem Lied. Wenn Sie Imagine hören, können Sie praktisch sofort mitsingen. Es wirkt ikonografisch. Wenn Sie Rubiks Würfel sehen, haben Sie sofort ein Bild in den Augen."

Prof. Wolfgang Heckl

Eine entscheidende Rolle im Film "Snowden"

Er taucht ja auch immer wieder auf, der bunte Würfel. Vor kurzem erst ganz prominent, in einem Kinofilm.

"Das war der Snowden-Film und ich habe Joseph Gordon-Levitt persönlich gecoacht im Zauberwürfel. Das war eine einmalige Gelegenheit, sowas vergisst man nie wieder."

Lasse Korbanka

Auch wenn er keine Turniere mehr spielt, der Zauberwürfel hat Lasse Korbanka einige Türen geöffnet. Zuletzt eben, dass er bei einem Hollywood-Streifen mitgearbeitet hat. Als Würfelexperte – für den fiktiven Edward Snowden.

"Im Film hatte er ja den Würfel sogar als wesentliches Erkennungsmerkmal, um sich erstmals mit den Journalisten zu treffen und später eben, um die geheimen Daten aus der Basis zu schmuggeln."

Lasse Korbanka

Joseph Gordon-Levitt als Edward Snowden ...

Der erste Teil stimmt auf jeden Fall. Aber wie Snowden die Daten tatsächlich rausgeschmuggelt hat, das weiß bis heute niemand außer ihm selbst. Dem Würfel und seinem Erfinder kann das aber egal sein. Weltberühmt waren sie schon vor Edward Snowden.
In jedem Fall: Für den Würfel war es – wieder mal – ein toller Kinoauftritt. 


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