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Roy Wood Der Mann hinter The Move, Wizzard & ELO

Die ersten Sendeminuten von BBC Radio 1 im Jahr 1967 gehören nicht den Beatles oder den Rolling Stones, sondern The Move. Ihr musikalischer Kopf ist ein etwas schrulliger Mann namens Roy Wood. Am 8.11.2011 wurde er 65.

Von: Klaus Walter

Stand: 09.11.2011 | Archiv

The Move mit Roy Wood (rechts) | Bild: picture-alliance/dpa

Roy Wood hat früh angefangen. 1960 gründet er in Birmingham seine erste Band, The Falcons, da ist er gerade mal 14. Es folgen weitere Bands, die heute vergessen sind. 1964 fliegt Wood vom Moseley College of Art, also eine Kunstschule, und verlegt sich fortan auf seine Lieblingskunst, die Musik. Er gründet The Move und schafft schnell den Durchbruch, mit eingängigen und gerne auch mal krachigen Beatnummern.

Dabei ist Wood musikalischer Kopf alles andere als ein limitierter Beat-Musiker. Er spielt nicht nur Gitarre, er beherrscht auch die Bass-Gitarre, das Cello, diverse Flöten und Saxofone, die Klarinette und die indische Sitar, das Schlagzeug und die Oboe, diverse Tasteninstrumente und das Fagott. Diese Vielseitigkeit sollte Roy Wood später zu Gute kommen, für die frühen Hits von The Move waren Oboe und Fagott zunächst mal entbehrlich. Zwischen 1967 und 1969 ist The Move fast so populär wie die großen englischen Bands dieser Zeit, also die Kinks, The Who, die Beatles und die Rolling Stones. Praktisch jede Single geht in die Top Ten, allerdings interessanterweise nicht in den USA, vermutlich sind The Move dann doch zu englisch für den amerikanischen Markt. Ihren einzigen Nummer Eins Hit landet die Band von Roy Wood 1969 mit Blackberry Way. Den markanten "UahUahUah"-Chorgesang hat sich Roy Wood von Harry Nilsson ausgeliehen, aus dem Song "Good old desk".

Klassische Musik ohne heiligen Ernst

Zu diesem Zeitpunkt gibt es schon Streit in der Band und es kommt zu Umbesetzungen. Der wichtigste Neuzugang ist ein gewisser Jeff Lynne, der 1970 zu The Move stößt und sofort zu einem wichtigen musikalischen Gegenpol von Roy Wood wird. Gemeinsam begeistern sie sich für die Idee, die Musik der Band um klassische Elemente zu erweitern… oder doch vielleicht um dieses Konzept herum gleich eine neue Band zu gründen. Es ist die Geburtsstunde des Electric Light Orchestra.

The Move 1967 (vlnr): Christopher Kefford, Tervor Burton, Carl Wayne, Bev Bevan und Roy Wood

Wie es sich gehört, beginnt das neue Projekt von Roy Wood und Jeff Lynne 1970 mit einer Overtüre. Die Idee, Rockmusik mit Klassik zu verbinden, liegt in der Luft Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger. In England feiern The Nice - die Band um Keith Emerson - damit große Erfolge, in Holland versuchen sich Ekseption an Johann Sebastian Bach, aber diese Bands sind mit einem heiligen Ernst ans Werk gegangen, mit großer Ehrfurcht vor den Klassikern. Diese Ehrfurcht war bei Roy Wood und Jeff Lynne nicht besonders ausgeprägt. Beim Electric Light Orchestra steht der Spaß im Vordergrund. Doch schon bald kommt der Spaß zu kurz, die Band wird zu klein für die ausgeprägten Egos von Roy Wood und Jeff Lynne. Schließlich gewinnt Lynne den bandinternen Machtkampf, Wood zieht sich zurück und gründet gleich eine neue Band: Wizzard. Der Name ist Programm: Wizzard heißt so viel wie Hexenmeister, Zauberer oder gleich Genie. Wie ein schrulliger Hexenmeister geht Wood ans Wizzard-Werk, der Mulitiinstrumentalist bewundert den amerikanischen Starproduzenten Phil Spector und dessen Wall Of Sound. Und so klingen die besten Wizzard-Songs wie eine englische Variante des Wall Of Sound. Und wie sein Vorbild Spector landet Wood mit Wizzard einen Weihnachtshit: "I wish it could be christmas every day”, das Lied mit dem Kinderwunsch im Titel ist auch nach bald 40 Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil des vorweihnachtlichen Radioprogramms, nicht nur bei der BBC.

Überall sein Gesicht

Roy Wood 2007 bei einer Musikpreisverleihung in London

Einer der großen Roy Wood-Sachverständigen in Deutschland heißt Andreas Dorau. Er hatte mit sechzehn Jahren seinen ersten und letzten großen Hit: "Fred vom Jupiter". Dorau ist Jahrgang 1964, war also gerade mal drei Jahre alt, als Roy Wood mit The Move seine ersten Hits hatte. Seine Liebe zu Roy Wood entdeckt Dorau in der dritten Klasse der Grundschule. Auslöser ist "See my baby jive" von Wizzard. Ein Kinderwunsch geht für Andreas Dorau 1988 in Erfüllung. Er trifft den leibhaftigen Roy Wood im Studio von UB 40 in Birmingham. Dorau plant gerade sein neues Album und möchte Wood dafür als Produzenten gewinnen. Aber wie das so ist mit den Idolen: Wenn man ihnen dann gegenübersteht, dann ist es doch nicht immer so, wie man sich das vorgestellt hat.

"Ein Freund von mir hatte die Telefonnummer von Roy Wood. Also traf ich ihn im Studio. Er hatte immer noch lange Haare und Bart. Er trug einen Pullover mit seinem Gesicht vorne drauf, das Covermotiv von seinem Album 'Boulders', und auf dem Arm war noch mal sein Kopf. Außerdem hatte er eine Bierfahne. Ich spielte ihm dann meine Lieder vor, und er fand sie 'zappaesk', was ich nun gar nicht teilte. Dann spielte er mir seine neuen Songs vor, die ich grauenhaft fand. Das klärte sich denn auch gleich, denn er erzählte mir, dass er gerade Genesis ganz toll fände. Das Gespräch dauerte dann nicht mehr lange, aber ich hatte immerhin mal Roy Wood getroffen."

Andreas Dorau über sein Treffen mit Roy Wood

Wenn man weiß, wie sehr Andreas Dorau Roy Wood verehrt, dann kann man das bei manchen Songs seines Albums "Demokratie" auch heraushören, auch wenn es dann doch ohne Wood zu Stande gekommen ist. Nach The Move, ELO und Wizzard produzierte Roy Wood auch noch Soloplatten, sein bestes ist nach allgemeiner Einschätzung das Album "Boulders" von 1973. Findet auch Andreas Dorau.


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