Bayern 2 - Hörspiel

Hörspielreihe

ERSTE ERDE EPOS Hörspielreihe

Published at: 14-9-2016 | Archiv

Hörspiel Pool Download "Erste Erde Epos": Raoul Schrott vor Meeresgischt | Bild: Marc LaFlamme

I. Erstes Licht                                                                                                      

Der letzte mündliche Weltschöpfungsmythos entstand um 1850 und stammt von den Maori. Der ideale Ort, um ihn sich zu erzählen, sind die Höhlen von Waitomo, wo Glühwürmchen unterirdische Universen aufleuchten lassen. – Am anderen Ende der Welt, in der Atacama-Wüste, wird in der Südsternwarte ein Monitor aufgebaut, mit dem geprüft werden soll, ob sich der Gipfel des Cerro Armazones als Standort für das weltgrößte Spiegelteleskop eignet – und grundlegende Sondierungen des Universums.

Mit Sibylle Canonica, Axel Milberg und Ulrich Noethen
Regie: Michael Farin
BR 2013, Erstsendung: 15.06.2013, Länge: 63'36

II. Erste Sonnen                                                                                                  

Männer auf einem Berggipfel der Atacamawüste. Einer von ihnen, ein aus Taiwan stammender Astronom, zieht Bilanz, erzählt von den politischen Konflikten, die sein Leben bestimmt haben, und der Liebe, die er auf der anderen Seite der Meerenge verloren hat. Er erzählt von einem Asteroidengürtel, der Planetenbildung und einem Sternenwärter im Peking des 11. Jahrhunderts, der im Laufe seines Lebens die 'Gaststerne' von gleich zwei Supernovae beobachten konnte, die die scheinbar ewige Ordnung des Kosmos störten. Wo aber ist unser Ort? Und wo wäre ein Gott? Fassbar von der Welt – ob von der privaten oder dem Kosmos – sind stets nur Bruchstücke und Spuren.

Mit Samuel Finzi
Regie: Michael Farin
BR 2013, Erstsendung: 22.06.2013, Länge: 57'01

III. Erste Materie                                                                                                  

Neujahrsmorgen auf einem Berggipfel in der Atacama-Wüste: Ein deutscher Astronom erzählt von Meteoriten und dem seltsamen Klang, der sich ringsum auszubreiten scheint, wenn sie am Himmel verglühen. Ihre bröckelige Kohle stellt die erste Materie dar, die im glühenden Sonnennebel entstand, winzige Rubine und Olivine darin. Aus ihnen ballte sich einst unsere Erde zusammen; sie sind das Älteste, was wir in die Hand nehmen und betasten können, Greifbares vom Anbeginn des Universums.
Seit jeher sind Meteoriten mit Symbolik beladen: ob im Mittelalter, wo ein im Elsaß einschlagender Meteorit dem Kaiser Maximilian als Zeichen des Krieges galt, ob in den 1960er Jahren, als ein in Mexiko niedergehender Feuerball als Warnung intergalaktischer Völker vor der Mondlandung gedeutet wurde. Es ist die Suche nach diesen Meteoriten, von der dieser deutsche Astronom erzählt, vom Anfang der Welt und von seiner kleinen Tochter, der er einen dieser schwarzen Brocken mitbringen will.

Mit Ulrich Noethen, Samuel Finzi, Axel Milberg
Regie: Michael Farin
BR 2013, Erstsendung: 29.06.2013, Länge: 70'22

IV. Erster Himmel                                                                                               

Sylvester: Ein Vater erklärt seiner Tochter anhand einer im Schnee erloschenen Rakete wie das Sonnensystem entstand und welche Figuren man im Mond sieht: chinesische Hasen etwa oder altgriechische Totenfelder. Erzählt wird auch von der Besteigung des Erta Alé, eines aktiven Vulkans in der äthiopischen Danakil-Wüste, und dass sich an ihm veranschaulichen lässt, wie der Mond entstand: Wenige Millionen Jahre, nachdem die Erde sich aus der Staubwolke um die Sonne bildete, prallte sie mit einem marsgrossen "Theia" genannten Planeten zusammen, der in ihr aufging. Aus der Materie, die dabei in den Raum geschleudert wurde, formte sich der Mond, der der Erde in ihrer Frühzeit weit näher war als heute. Damals im Hadaikum, ihrer "Höllenzeit", waren beide schwarz, denselben vulkanischen Prozessen unterworfen.

Mit Bibiana Beglau, Raoul Schrott, Martin Umbach
Komposition: Saam Schlamminger
Regie: Michael Farin
BR 2013, Erstsendung: 14.06.2014, Länge:   54'47

V. Erste Erde                                                                                                       

Eine Reise in die kanadischen Northwestern Territories: zuerst nach Yellowknife, der nördlichsten Stadt, dann mit einem Wasserflugzeug weiter in die Taiga unterhalb des Polarkreises. Im Kanu und mit einem Inuit als Führer geht es den Fluss Acasta hinunter. In einer Stromschnelle gehen Ausrüstung, Essen, Karten und Gewehr verloren. Das Ziel wird dennoch erreicht: die ältesten erhaltenen Gesteinsschichten – 4,01 Milliarden Jahre alt – Überreste des allerersten Landes, das sich im Ozean der frühen Erde bildete.

Mit Bibiana Beglau, Jens Harzer, Anne Ratte-Polle und Martin Umbach
Komposition: Saam Schlamminger
Regie: Michael Farin
BR 2014, Erstsendung: 21.06.2014, Länge: 50'08

VI. Letztes Bombardement                                                                              

Bis lange nach der Entstehung ersten Lebens wurde die Erde immer wieder von Asteroiden- und Kometenschauern getroffen, die deren Oberfläche mit Metallen anreicherte und die Wasser mit sich brachten. Spuren dieses "Letzten Großen Bombardements" finden sich in den Mondkratern. Aus nächster Nähe gesehen wurden sie erstmals 1968, von den Astronauten der Mission Apollo 8, die die tote Leere des Mondes zutiefst beeindruckte. Eine Möglichkeit, sich diese gewaltigen Einschläge vorzustellen, bietet der Bericht des Gervasius zur Sonnwende 1178. In seiner Chronik schildert er, wie seine Mitbrüder und er beim Bau der Kathedrale von Canterbury einen solchen Impakt auf dem Mond zu beobachten glaubten.

Mit Kathrin Angerer, Bibiana Beglau, Jens Harzer, Tobias Lelle, Martin Umbach und Hanns Zischler
Komposition: Saam Schlamminger
Regie: Michael Farin
BR 2014, Erstsendung: 28.06.2014, Länge: 39'06

VII. Autopoiesis                                                                                                   

Der Musenbrunnen der Hippokrene auf dem griechischen Berg Helikon gilt seit jeher als inspirativer Quell der Poesie. Ob beim allerersten europäischen Dichter Hesiod, bei den Römern Vergil und Ovid oder in der Renaissance: wer dichten wollte, hatte vom Wasser dieses Brunnens trinken. Auch Lukrez, dessen naturwissenschaftliches Lehrgedicht DE RERUM NATURA dem ERSTE ERDE EPOS Pate stand, berief sich auf den Gang zu dieser Quelle.
Ihm im Wortsinn folgend, stellt Autopoiesis eine autopoetische Selbstvergewisserung dar. Das Wasser des Musenquells wird dabei aus seinem alten symbolischen Kontext gehoben und zu jener Substanz, in der sich die allerersten Lebensformen bildeten. Die Musen werden dabei zu Figurationen dessen, wie Leben aus Stein, Erde und Wasser entstehen konnte. Die unterschiedlichen, nie völlig überzeugenden Definitionen von Leben lassen sich auf diese Weise mit dem abgleichen, was ein Gedicht auch ist – eine Zelle von Worten, die das Außen in ein Innen verwandelt: Dichtung, die Welt verarbeitet und dabei den Menschen in ihr lebendig hält.

Mit Tobias Lelle, Bibiana Beglau, Jens Harzer, Dagmar Manzel, Raoul Schrott
Regie: Michael Farin
BR 2015, Erstsendung: 07.03.2015, Länge: 43'13

VIII. Steinernes Meer                                                                                          

Der Urknall unserer Welt ist die Entstehung der Erde – die sich in Vulkanen, Lavaströmen und ersten Grabenbrüchen im Meer auszubilden begann. Das erst vor 20 Millionen Jahren über den atlantischen Rücken gehobene Island ist ein Modell solcher Landgewinnungsprozesse. Anschaulich wird dies dank einem Vulkanologen, der in Stykkisholmur ein Museum errichtet hat, in dem all die Lebensformen ausgestellt sind, die das Mineralische in ihrem Namen tragen: von der Bernsteinmakrele über den Kaisergranat oder den Kupferstecher bis zu Schwefelbläschen. Es wird augenfällig, dass alles Organische aus dem Anorganischen entstand – und auch das das Leben seinerseits diesen mineralischen Urgrund veränderte. Denn ohne Leben bestünde das Gestein der Erde nur aus etwa 1 500 Arten von Mineralien: durch dessen Einfluss aber verdreifachte sich diese Zahl – bis hin zu den Halbedelsteinen. Und selbst das Leben bildet Steinernes in sich: Es scheidet es aus als Narrengold. Bakterien etwa bilden Magnetit und Zinnkraut lagert Silica ein.
Erzählt wird dies alles von einer holländischen Biochemikerin, die gerade erfahren mußte, dass sie Brustkrebs hat, und vor dem Beginn ihrer Chemotherapie Island bereist.

Mit Tobias Lelle, Jens Harzer, Dagmar Manzel, Katja Bürkle, Kathrin Angerer
Regie: Michael Farin
BR 2015, Erstsendung: 14.03.2015, Länge: 49'31

IX. Lebende Steine                                                                                             

Zufolge den im Augenblick plausibelsten Theorien zu seinem Ursprung bildete sich das Leben am Meeresgrund in und an so genannten "Weißen Rauchern": Heißwasserkaminen, in denen das aufsteigende Süßwasser mit dem kalten Meereswasser reagiert und feinporige Schlote bildet. Die in diesen Poren ausgefällten Mineralien dienten dann als Katalysatoren für die Verkettungen von organischen Molekülen, die irgendwann beginnen, sich selbst zu reproduzieren, von Poren geschützt wie von einer Zellhülle, um sich daraus loszulösen und sich als erste Mikroben frei zu schwimmen. Solche Heißwasserkamine finden sich zumeist in Tausenden von Metern Meerestiefe: in einer Bucht im Norden Islands reichen sie bis knapp unter die Oberfläche des Wassers.

Mit Tobias Lelle, Bibiana Beglau, Jens Harzer, Dagmar Manzel, Katja Bürkle und Kathrin Angerer
Regie: Michael Farin
BR 2015, Erstsendung: 21.03.2015, Länge: 42'42

X. Erstes Leben/Sex und Symbiosen                                                           

In der Nähe der ehemaligen North-Pole-Mine in Westaustralien finden sich die Reste einer flachen vulkanischen Lagune, die 3,6 Milliarden Jahre alt ist. In ihr blieben die allerersten Fossilien erhalten, die von Leben zeugen: Stromatolithe – auch Blumen- oder Decksteine genannt – als kopfförmige Ablagerungen von Matten von Cyanobakterien. Bis heute bilden sich diese algenartigen Mikroben in jedem Wassertümpel. In der Frühzeit der Erde waren sie die ersten Organismen, die vor über 2 Milliarden Jahren mittels der Energie des Lichts Wasser aufbrachen und dabei Sauerstoff abschieden: Ihnen haben wir die Luft zu verdanken, die wir atmen.
Eine pensionierte Mikrobiologin sitzt jeden Tag in der U-Bahn Station des Londoner Embankments, um die Stimme ihres verstorbenen Mannes im Lautsprecher zu hören, wie er die Aussteigenden vor dem Spalt an der Bahnsteigkarte warnt. In stillen Monologen mit ihm lässt sie seinen Tod, ihr Leben mit ihm und ihrem autistischen Kind Revue passieren und reflektiert dabei, in welchem Ausmaß bakterielles Leben das unsere bestimmt.
Die Shark Bay an der Küste ist eine der wenigen Stellen der Erde, wo sich noch heute Stromatolithen bilden, in denen man winzige Sauerstoffbläschen aufsteigen sehen kann. Die Reise dorthin führt an den Jack Hills vorbei, deren weit über vier Milliarden Jahre alte Gesteinskristalle Hinweise auf zu jener Zeit entstandenes Leben enthalten. Wie sich die Aborigines die Schöpfung vorstellten, wird später dann in einer Bar erzählt.

Mit Irm Herrmann, Partrick Güldenberg und Raoul Schrott
Regie: Michael Farin
BR 2016, Erstsendung: 14.05.2016, Länge: 58‘25

XI. Autopsie 1                                                                                                      

Ein Augenarzt aus Nizza trauert um seine Frau, eine deutsche Schauspielerin, die Selbstmord begangen hat. Er beginnt eine Autopsie, die gleichsam zu einer Geschichte des menschlichen Körpers wird – dem altägyptischen Mythos des Osiris nicht unähnlich, dessen zerstückelte Glieder von Isis wieder zusammengesetzt wurden. Seine Reisen – ein Tauchgang in einer unterseeischen Höhle vor La Ciotat, zu den rätselhaften Fossilien des Ediacariums in Neufundland oder zu den Trilobitensuchern in Marokko – führen zudem zu jenen Orten, die anschaulich machen, wie das tierische Leben zu seinen Formen fand. Die Baupläne jedweden tierischen Lebens entstanden in einem Zeitraum von nahezu 800 Jahrmillionen: von den Schwämmen über die Rippenquallen, Würmern und Schleimaale zu den ersten Knochenfischen bis zur menschlichen Gestalt, bis zu Bauch und Rücken, Kopf und Fuß, Mund, Muskeln und Verdauungstrakt, Skelett und Rückgrat, bis zum Gesicht. Mit der Herausbildung des Körpers als Vehikel zur Fortpflanzung aber trat dann auch der Tod ins Leben.

Mit Felix von Manteuffel und Patrick Güldenberg
Regie: Michael Farin
BR 2016, Erstsendung: 21.05.2016, Länge: 108'45

XII. Autopsie 2                                                                                                     

Lebensgeschichte und Evolution miteinander konfrontierend lässt sich die Welt aus einer anderen Perspektive wahrnehmen und betrachten: das erste Auge etwa, das Trilobiten mit Linsen aus Kristall in ihrer Haut herausbildeten, oder das Gehörorgan, mit dem Fische dem Wasser nachzuhorchen begannen, bis sich bei den Reptilien an Land deren Kiemenknochen schließlich zum Ohr formten. Und wie muss es gewesen sein, als die Welt zum ersten Mal sichtbar wurde? Sich zum ersten Mal hören ließ? Und überhaupt: Was macht das Schöne an einem Menschen aus?

Mit Felix von Manteuffel und Sophie von Kessel
Regie: Michael Farin
BR 2016, Erstsendung: 28.05.2016, Länge: 97‘14

XIII. Erste Pflanzen                                                                                             

Ein Vorarlberger Botaniker schildert die vor 500 Jahrmillionen beginnende Landnahme der Pflanzen und ihre Entstehung aus einer Grünalgenart, deren Verwandte sich heute noch auf Gletscherfeldern und in alpinen Seen und Weihern finden. Er erzählt von einer Reise nach Irland zu der Fundstelle der ältesten fossil erhaltenen Pflanze, vom Sein der Bäume und von seiner an der Totgeburt eines Kindes zerbrochenen Ehe.  

Mit Vera Teltz und Raoul Schrott
Regie: Michael Farin
BR 2016, Erstsendung: 16.07.2016, Länge: 48‘18

XIV. Zwischen den Welten                                                                                

Jahrelang hat ein im Land verbliebener Teilnehmer einer österreichischen Brasilienexpedition für ein geplantes Museum die Fauna und Flora des Amazonasgebietes durchstreift und gesammelt. 1830 entdeckte er den Lungenfisch. In der Folge stritt die Wissenschaft, ob dieser noch den Fischen oder bereits den Amphibien zuzuordnen sei, und suchte nach Gründen, weshalb er an Landgekommen war: Der Lungenfisch ist der nächste noch lebende Verwandte eines Muskelflossers, den man 2004 auf Ellesmere Island in der kanadischen Arktis ausgegraben und Tiktaalik getauft hat. Dieser Spezies verdanken wir nicht nur unsere Lunge – aus ihren knochigen Flossenstummeln gingen auch unsere Gliedmaßen hervor: Ober- und Unterschenkel beziehungsweise Oberarm, Elle und Speiche samt der Fünfzahl unserer Finger und Zehen.

Mit Florian von Manteuffel und Vera Teltz
Regie: Michael Farin
BR 2016, Erstsendung: 23.07.2016, Länge: 52‘44

XV. Stammlinien                                                                                                 

Eine emeritierte polnische Zoologin erzählt aus ihrem Leben: von ihrem Studium während der deutschen Besatzung, ihrer Teilnahme am Warschauer Aufstand, ihrer Vergewaltigung durch einen Kollaborateur, ihrer Inhaftierung und den Folterungen. Wie nebenbei erzählt sie, was den Menschen – sein Raubtiergebiss etwa mit Kiefern und Reißzähnen – mit den Reptilien verbindet. Jahre später, nach dem Fall der Mauer, wird sie Yukatan aufsuchen, um den 66 Millionen Jahre alten Einschlagskrater jenes Asteroiden zu sehen, der die Dinosaurier auslöschte, woraufhin sich dann Säugetiere zu in Bäumen lebenden Affen zu entwickeln begannen: Ihrer Ernährung von Früchten verdanken wir unseren nach vorne gerichteten Blick, unseren Farbsinn.

Mit Gabriele Blum und Florian von Manteuffel
Regie: Michael Farin
BR 2016, Erstsendung: 04.06.2016, Länge: 52‘08

XVI. Primaten                                                                                                       

Eine deutsche Verhaltensforscherin führt ein Vorstandsmitglied eines Schweizer Pharmakonzerns durch die Affengehege des Leipziger Zoos. Fasziniert vom Solitären der Orang-Utans und der Gruppendynamik der Schimpansen und Bonobos entspinnt sich darauf zwischen beiden ein Dialog in Mails und Telefonaten über die Natur des Menschen.

Mit Patrick Güldenberg, Sophie von Kessel und Vera Teltz
Regie: Michael Farin
BR 2016, Erstsendung: 30.07.2016, Länge: 52‘43

XVII. Fährten                                                                                                        

Eine amerikanische Kunsthistorikern auf den Spuren der Menschenaffen, die sich nur langsam zum Homo sapiens entwickelten: Von den 3,7 Millionen Fußabdrücken im tansanischen Laetoli über den 1,8 Millionen Jahre alten Schädel des Homo erectus, der erst den georgischen Kaukasus und später dann Spanien erreichte – bis hin zu den Fährten, die er dabei hinterließ. Sie blieben in der Vulkanasche nördlich von Neapel erhalten. Bei Ebbe kommen sie auch an englischen Stränden zum Vorschein. Sie beginnt zu verstehen, wie uns erst der aufrechte Gang zu dem machte, was wir sind: von der Form der Steinwerkzeuge bis hin zur Gestalt unseres Körpers, von den ersten Kunstobjekten bis zum kulturellen Superorganismus, den unsere heutige Zivilisation darstellt.

Mit Vera Teltz und Florian von Manteuffel
Regie: Michael Farin
BR 2016, Erstsendung: 11.06.2016, Länge: 80‘11

XVIII. Namlos                                                                                                       

Als sich der europäische Kontinent unter den afrikanischen zu schieben begann, also vor etwa 135 Millionen Jahren, entstanden die Alpen. Heute bildet der Nordrand Tirols und der Arlberg diese Grenze. Ihre Berge sind nichts anderes als Verfaltungen dieses weiterhin vor sich gehenden Zusammenstosses. Fossile Spuren ausgestorbenen Lebens legen davon Zeugnis ab. Auch sie sind Zeugnisse vorübergehender Gestaltungsformen der Erde. An den Tiroler Ortsnamen lässt sich die jüngere Besiedlungsgeschichte ablesen. Illusionslos verweisen sie auf die Unwirtlichkeit des damaligen Lebens, denn lange Zeit war das Gebirge nur ödes Territorium – bis es von der Romantik und dem Tourismus mit klangvollen Bezeichnungen besetzt wurde und das letztlich Namenlose der Erde und der in den Bergen versteinerten Zeit verdeckte

Mit Florian von Manteuffel und Raoul Schrott
Komposition: Saam Schlamminger
Regie: Michael Farin
BR 2016, Erstsendung: 18.06.2016, Länge: 68‘01