Bayern 2

radioWissen Anarchie und soziale Revolution

Michail Bakunin | Bild: picture-alliance/dpa

Montag, 26.05.2014
09:05 bis 10:00 Uhr

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BAYERN 2

Michail Bakunin
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Bakunin (1814 - 1876) war bereits zu Lebzeiten ein Mythos. Der russische Adlige wurde wegen der Teilnahme an Aufständen in Paris, Dresden und Prag mehrfach zum Tode verurteilt, begnadigt, in Russland inhaftiert und nach Sibirien verbannt. Von dort floh er über Japan und die USA nach Europa, wo er sich der Arbeiterbefreiung zuwandte. Bald geriet er mit Karl Marx in Konflikt, dessen autoritären Führungsstil er kritisierte. Bakunin plädierte für die Anarchie, für eine dezentrale von unten nach oben organisierte und gewaltlose Gesellschaft der Freien und Gleichen ohne Staat und Ausbeutung. Er kämpfte gegen die "Diktatur des Proletariats", gegen eine Eroberung des Staates auf parlamentarischen oder revolutionären Weg: Bakunin prognostizierte, "... dass eine Diktatur kein anderes Ziel haben kann, als nur das eine, sich zu verewigen ... Freiheit kann nur durch Freiheit geschaffen werden ..." - Den Traum von einer gerechten, antiautoritären Gesellschaft hatte Bakunin allerdings nicht als Erster. Er begegnet schon in den alten Religionen Persiens und Palästinas und bei den Ketzern des Mittelalters. Doch erst mit der Französischen Revolution gewannen diese Utopien politische Stoßkraft. Es waren keine Arbeiter, sondern emanzipierte Bürger wie der Journalist Babeuf oder der Textilindustrielle Owen, die mit Genossenschaften zu experimentieren begannen. Die Bewegung hatte ihre Paradiesvögel: Charles Fourier verband die soziale Revolution mit einer befreiten Sexualität. Der Schneidergeselle Wilhelm Weitling forderte die Abschaffung des Geldes und eine zentralistische Planwirtschaft. Die sozialistischen "Klassiker" Marx und Engels vermissten bei diesen bisweilen recht romantischen Vordenkern die wissenschaftliche Fundierung, übernahmen aber viel Ideengut vor allem von Henri de Saint-Simon und dem "Kommunistenrabbi" Moses Hess. Neben dem Trend zum Staatssozialismus blieb in der Arbeiterbewegung immer die Idee der genossenschaftlichen Selbstverwaltung lebendig: Die freie Assoziation kleiner Produzenten könne die Anhäufung von Profit in den Händen weniger Reicher und die Ausbeutung der Arbeiter am besten verhindern.

Redaktion: Thoams Morawetz
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