Bayern 2

radioWissen Goethe und Hafes

Illustration: Wüstenlandschaft mit Kamelen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Dienstag, 05.08.2014
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Hafes
Der persische Nationaldichter
Von Bettina Weiz / Regie: Sabine Kienhöfer

Johann Wolfgang von Goethe
Der west-östliche Divan
Autorin und Regie: Gabriele Knetsch

Das Kalenderblatt
5.8.1529
"Damenfriede" von Cambrai ausgehandelt
Von Thomas Morawetz
Als Podcast verfügbar

Hafes begleitet die Perser bis heute. Dabei hat er seine Gedichte vor fast 700 Jahren geschrieben - und ist doch heute in Iran und anderen persisch sprachigen Gegenden hochaktuell (wer versteht dagegen schon deutsche Minnesänger aus derselben Zeit?). Er pries Wein und Rausch - und war doch ein gläubiger Muslim, konnte sogar den Koran auswendig. Er lebte in einer Zeit von Kriegen, Gewalt und Umstürzen - und verfasste feinsinnigste Poesie. Seine Liebeslyrik wird von autoritären Regimes, Mystik-Fans und Freigeistern gleichermaßen verehrt. Seine vieldeutige, kunstvoll gedrechselte Sprache ist praktisch unübersetzbar - und doch ist Hafes aus Shiraz einer der Großen der Weltliteratur; sogar der stolze Goethe verbeugte sich tief vor ihm und ließ sich von Hafes’ Gedichtesammlung “Diwan” zu seinem “West-östlichen Diwan” inspirieren. Goethe hatte nämlich im Alter von 65 Jahren eine neue Welt entdeckt. 1814 liest der Dichter die bis dahin völlig unbekannten Gedichte des persischen Dichters Hafiz. Der Orientalist Joseph Hammer-Purgstall hatte sie gerade ins Deutsche übertragenen. In Hafiz erblickt Goethe einen Seelenverwandten. Goethe ist begeistert von einer Poesie, die 500 Jahre vor seiner eigenen entstanden ist. Der persische Mystiker öffnet Goethe das Tor zum Orient. Er beschäftigt sich nun mit arabischer und persischer Dichtung. Mit seinem “West-östlichen Divan” schafft er eine Gedichtsammlung, die in einen lyrischen Dialog mit seinem geistigen “Zwilling” tritt. Beflügelt wird der betagte Dichter von einer späten Liebe, der 30 Jahre jüngeren Bankiersgattin Marianne von Willemer.
Redaktion: Petra Herrmann

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