Bayern 2

radioWissen Aus der Geschichte der Arbeiterbewegung

Deutscher Gewerkschaftsbund | Bild: dpa-Bildfunk

Montag, 25.04.2016
09:05 bis 10:00 Uhr

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BAYERN 2

Vom Vorleser zur Einheitsgewerkschaft
Die Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung

Clara Zetkin
Porträt einer unbequemen Sozialistin

Das Kalenderblatt
25.4.06
Jungfernfahrt der "Freedom of the Seas"
Von Anja Mösing

Als Podcast verfügbar

Vom Vorleser zur Einheitsgewerkschaft - Die Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung
Autor: Thies Marsen / Regie: Sabine Kienhöfer
Mit der Industrialisierung vor anderthalb Jahrhunderten beginnt auch die Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung: Handwerker und Gesellen waren die ersten, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts angesichts der katastrophalen Bedingungen in den Fabriken zusammenschlossen: Um für höheren Lohn und bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen, um sich gegenseitig in Notlagen zu unterstützen und um sich weiterzubilden. So liegt eine der Wurzeln der Gewerkschaften in den Tabakfabriken: Die Zigarettendreher bezahlten einen der ihren, der ihnen bei der langweiligen Arbeit vorlas. Staat und Unternehmen versuchten anfangs mit allen Mitteln die Organisierung der Arbeiter zu verhindern, dennoch entwickelten sich die Gewerkschaften bald zur Massenorganisation. Die endgültige Anerkennung erfolgte in der Weimarer Republik. Doch angesichts der Wirtschaftskrise waren auch die Gewerkschaften zu schwach, um den Aufstieg der Nationalsozialisten zu verhindern. Sie wurden 1933 verboten, tausende Gewerkschafter landeten im KZ. Aus dieser Erfahrung entstand nach 1945 die Einheitsgewerkschaft DGB. Die Gewerkschaften waren maßgeblich am Wiederaufbau beteiligt und konnten für die Arbeitnehmer in der Bundesrepublik zahlreiche Sozialstandards durchsetzen, die inzwischen selbstverständlich scheinen. Heute stehen sie angesichts von Krise, Massenarbeitslosigkeit und Mitgliederschwund vor neuen Herausforderungen.

Clara Zetkin - Porträt einer unbequemen Sozialistin
Autorin: Nicole Ruchlak / Regie: Martin Trauner
Es muss eine ergreifende Szene gewesen sein: eine alte Frau, krank und zittrig, wird auf einem Stuhl vor das Plenum getragen und hunderte von Menschen verstummen. Sie warten auf die Worte von Clara Zetkin, der "grande dame" des Sozialismus. Und diese wird, wie so oft, mit ihrer Rede die Massen mitreißen.
Zeit ihres Lebens kämpfte die Mitstreiterin von Lenin und Freundin von Rosa Luxemburg, die Pazifistin, die Kapitalismuskritikerin und Frauenrechtlerin für ihre Ideale. Unabhängig davon, ob sie sich mit Stalin anlegen musste oder ob sie sich andere, weniger gefährliche Feinde machte, trat die 1857 geborene Clara Zetkin unbeirrbar für ihre Vorstellung einer gerechten Gesellschaft ein. Denn der politische Kampf war ihr Leben und ein Leben ohne politischen Kampf konnte sie sich nicht vorstellen. Noch im Jahre 1932 eröffnete die antifaschistische Alterspräsidentin den Reichstag, in dem die NSDAP die größte Fraktion bildete, mit den Worten: "Die Selbstbehauptung der Werktätigen gegen den Faschismus ist die nächste unerlässliche Voraussetzung im Kampf gegen Krisen…". Ein Jahr später starb die unbequeme Sozialistin - und wurde nach dem Krieg vom Westen fast vergessen und vom Osten als Galionsfigur der sozialistischen Sache missbraucht. Wie auch immer ihre Persönlichkeit interpretiert werden mag, eines war Clara Zetkin sicher: eine couragierte, starke Kämpferin, die bereit war, alles für ihre Idee einer gerechten Gesellschaft alles zu geben. Auch ihr Leben.

Moderation: Florian Kummert
Redaktion: Thomas Morawetz

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