Bayern 2

radioWissen Die Causa Moral

Jugendlicher stützt sein Kinn in den aufgestellten Arm | Bild: picture-alliance/dpa

Mittwoch, 11.07.2012
09:05 bis 10:00 Uhr

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BAYERN 2

Ruth Cohn
Stichwort Selbstverantwortung

Schlechtes Gewissen, gutes Gewissen
Was die Moral mit uns macht

Das Kalenderblatt
11.7.212
Römisches Bürgerrecht für alle Freien
Ausgewählte Beiträge als Podcast verfügbar

Ruth Cohn - Stichwort Selbstverantwortung
von Gabriele Bondy
Ruth Cohn, 1912 in Berlin als Kind einer assimilierten jüdischen Familie geboren, gehört zu den wichtigsten Vertreterinnen der humanistischen Psychologie. Sie flüchtete 1933 vor den Nazis, kam - nach ihrem Studium der Psychologie und Psychoanalyse in Zürich - 1941 in die USA. Orientiert an der psychotherapeutischen Arbeit von Harry Stuck Sullivan gründete sie eine eigene Praxis in New York. Jahrelang bildete sie sich weiter und war auch Schülerin von Fritz Perls, der in seiner gestalttherapeutischen Arbeit vor allem die Selbstverantwortung des Menschen forderte. Traumatisiert von den Erfahrungen im nationalsozialistischen Deutschland erschien Cohn dieser Aspekt als unverzichtbare Basis für die von ihr entwickelte Themenzentrierte Interaktion (TZI). Mit ihrem therapeutischen und pädagogischen Motto "das Mögliche tun", verbinden sich die essentiellen Inhalte ihres theoretischen und therapeutischen Schaffens: Selbstverantwortung und Wertschätzung im menschlichen Miteinander. Sozial und politisch engagiert, reichte es ihr nicht aus, Menschen in Einzeltherapie zu behandeln und entwickelte die TZI auch für die Gruppenarbeit für Erwachsene und Kinder. Ihr Wirken blieb aber nicht auf die USA beschränkt. Sie beschloss, Mitte der 70er Jahre nach Europa zurückzukehren, wo sie ihren therapeutischen Ansatz lehrte und sich neben dem Therapieren und Schreiben für Friedens- und Umweltpolitik engagierte. "Ich bin nicht allmächtig, ich bin nicht ohnmächtig, ich bin partiell mächtig, und es ist meine Verantwortung, diese partielle Macht zu übernehmen".

Schlechtes Gewissen, gutes Gewissen - Was die Moral mit uns macht
von Veronika Wawatschek
Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich nach Australien fliege? Weil meine CO2-Bilanz mir Gewissensbisse macht? Für ein gutes Gewissen soll ich ethisch konsumieren, lässt mich die Werbung glauben. In unserer globalisierten Welt scheint einerseits alles erlaubt. Groß geschrieben wird die Freiheit des Einzelnen. Moralapostel gelten als die ewig Gestrigen. Und doch ist das Gewissen allgegenwärtig: gewissenlos, gewissenhaft, guten Gewissens, mit schlechtem Gewissen - unser täglicher Sprachgebrauch zeigt, dass die Moral nicht ausgedient hat. Zwar mögen sich Werte verändern. Gleichgültig aber reagiert kaum jemand, wenn er oder andere Normen verletzen. Der erhobene Zeigefinger, das schlechte Gewissen wie das gute, der Ruf nach der Moral - nach einer ordnenden Kraft - wird in unserer komplexen Gesellschaft schnell laut. Heute ist das Gewissen und das moralische Handeln nicht mehr nur Sache der Theologen und Philosophen. Auch die Hirnforschung hat das moralische Urteilen für sich entdeckt. Doch was ist das Gewissen? Wie kommt die Moral ins Kind? Und wie hat sich das Moralverständnis entwickelt? Ein Streifzug durch das Gewissen, das gute wie das schlechte.

Redaktion: Bernhard Kastner
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