Bayern 2

radioWissen am Nachmittag Dichtung aus Japan

Japanische Schriftzeichen | Bild: picture-alliance/dpa

Dienstag, 02.10.2012
15:05 bis 16:00 Uhr

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BAYERN 2

Der älteste Roman der Welt
Eine Hofdame erzählt

Das Haiku
Drei Zeilen, die alles sagen

Das Kalenderblatt
2.10.1808
Napoleon empfängt Goethe zum Frühstück
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Der älteste Roman der Welt - Eine Hofdame erzählt
von Isabella Arcucci
"Die Geschichte vom Prinzen Genji"kennt man im Westen kaum. Dabei wird sie von einigen Wissenschaftlern als der „älteste Roman der Welt“ bezeichnet! Entstanden ist sie Anfang des 11. Jahrhunderts am japanischen Kaiserhof, in einer traumwandlerischen Welt, in welcher der Adel sich der Poesie hingab und die Schönheit eines blühenden Kirschbaumes gestandene Männer zu Tränen rührte. "Die Geschichte vom Prinzen Genji"entführt den Leser in eine schwelgerische Epoche, als es in Japan weder Sushi noch Samurai gab. Die lebendige Schilderung von verzehrender Liebe, rasender Eifersucht und Trauer sind der Grund, weshalb dieses Werk auch oft „der erste psychologische Roman der Weltliteratur“ genannt wird. Doch "die Geschichte des Prinzen Genji" unterscheidet sich vor allem in einem Punkt von den großen psychologischen Romanen des 19. Jahrhunderts: Der Autor ist eine Frau!

Das Haiku - Drei Zeilen, die alles sagen
von Jenny von Sperber
Haiku - das sind die kürzesten Gedichte der Weltliteratur. Kurz, schlicht und klar. Und trotzdem steckt in diesen Miniaturkunstwerken das Wesen der Welt. Die traditionelle Lyrikform Japans entstand im 17. Jahrhundert. Damals war es am japanischen Hofe üblich, auf Empfängen und Festen gemeinsam zu dichten. Verse wurden im Wechsel verfasst und Wettbewerbe um die schönste Dichtung ausgetragen. Bald entstanden feste Formregeln für das Haiku, wie 17 Silben pro Gedicht oder ein eindeutiger Bezug zur Jahreszeit. Was als Zeitvertreib der Adligen begann ist mittlerweile Volksdichtung für jedermann. Kaum ein Firmenangestellter, kaum eine Großmutter oder Schülerin in Japan, die noch nie ein Haiku verfasst hat. Auch bei uns wird das Haiku immer beliebter. Kompliziertes Intellektualisieren hat im flüchtigen Haiku keinen Platz. Im Gegenteil: Wer bereit ist, die unmittelbaren einfachen Dinge wahrzunehmen und einzufangen, der hat den Haikugeist erkannt.

Redaktion: Petra Herrmann
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